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Sudeten-Durchquerung Teil 2: Kamionki – Schreiberhau

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Große Sturmhaube
Sudeten-Durchquerung Teil 2: Große Sturmhaube © gipfelwelt.net

Hinter Kamionki führte meine Sudeten-Durchquerung Teil 2 durch Eulengebirge, Waldenburger Sudeten und als Finale durch die höchste Gruppe, das Riesengebirge.

Tag 6: Kamionki/Steinkunzendorf – Jedlina-Zdrój/Bad Charlottenbrunn (4:30 h, 19 km)

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Wasserfall von Kamionki
Sudeten-Durchquerung Teil 2: Wasserfall von Kamionki © gipfelwelt.net

Meine Sudeten-Durchquerung Teil 2 begann aufgrund der Unterkunftssituation mit einer kürzeren Etappe, was mir in Anbetracht der letzten sehr langen Etappen gelegen kam. Mich empfing das leidige trübe Wetter der letzten Tage.

Am Ortsende von Steinkunzendorf nahm ich den weiß-schwarz-weiß markierten Weg auf einer Flanke, der mich zu einem Wasserfall brachte. Nun ging es auf guten Waldwegen stetig bergauf zur Wielka Sowa/Hohen Eule (1.015 m) als höchstem Berg und Namensgeber des Eulengebirges. Zwischendurch musste ich auf den weiß-gelb-weißen Weg wechseln, was ich zunächst verpasste, und erreichte dann wieder mal den weiß-rot-weiß markierten GSS, dem ich von nun an überwiegend treu blieb. Der E3 führt auch über diesen Gipfel, verabschiedet sich dann aber in die polnischen Niederungen, sodass ich ihm für lange Zeit Goodbye sagte.

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Hohe Eule
Sudeten-Durchquerung Teil 2: Hohe Eule © gipfelwelt.net

Auf dem Gipfel der Hohen Eule geht es mitunter recht trubelig zu mit Ständen, Kapelle und Aussichtsturm. Heute war hier aber nix los und der Aussichtsturm deswegen nur bis zum ersten Stock begehbar. Auch sonst gibt es keine wirkliche Aussicht. Ich machte mich auf dem GSS an den Abstieg und passierte die Eulenbaude in sehr schlechtem Zustand, ich glaube sie wird nicht mehr bewirtschaftet. Kurz darauf erreichte ich die ehemalige Bismarckbaude, die hingegen mit viel Aufwand neu gestaltet wurde und jetzt Orzeł heißt. Du kannst auf der fantastischen Aussichtsterrasse speisen oder dein eigenes Essen auf der nicht minder fantastischen öffentlichen Aussichtsterrasse ein kleines Stück nordwestlich genießen.

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Ehemalige Bismarckbaude
Sudeten-Durchquerung Teil 2: Ehemalige Bismarckbaude © gipfelwelt.net

Auf mich wartete nach kurzem Abstieg das nächste Zwergskigebiet (ich hatte inzwischen aufgehört zu zählen) auf einem Pass. Hier gibt es mehrere Unterkunfts- und Verpflegungsmöglichkeiten. Ich stiebte aber so schnell ich konnte davon und musste leider eine ganze Weile auf einer Straße gehen.

Nachdem er endlich von der Straße abzweigte, brachte mich der GSS dann über ganz nette Anhöhen nochmals aus der Besiedlung hinaus. Es folgte ein weiterer Abschnitt über mehrere kleine Gipfel im Wald, bis ich das Ende des Eulengebirges erreicht hatte und nach Jedlina-Zdrój abstieg. Bei einem Kreisverkehr musste ich über eine Landstraße, dann führte mich ein kurzes Stück durch eine Aue auf das Gelände des halb verfallenen Pałac Jedlinka/Schloss Tannhausen. Offenbar wird nur die Frontseite des Schlösschens instand gehalten. Hier befindet sich das Hotel Jedlinka, ein dazugehöriges Hostel und Restaurant und es gibt eine Bushaltestelle. Ein kurzer Fußweg geht ins Zentrum mit weiteren Unterkünften, Supermarkt und Bahnhof.

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Pałac Jedlinka
Sudeten-Durchquerung Teil 2: Pałac Jedlinka © gipfelwelt.net

Die schöne Stimmung auf dem Areal mit Alpaka-Gehege und dem Schlossplatz gefiel mir sehr gut. Am Abend kam dann sogar die Sonne raus – zum ersten Mal, seit ich unterwegs war! Ich verköstigte mich gut in der hippen Brauerei, die auch ohne Weiteres in Berlin-Mitte gelegen sein könnte.

Tag 7: Jedlina-Zdrój – Chełmsko Śląskie/Schömberg (7 h, 30 km

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Hinter Jedlina-Zdrój (Bad Charlottenbrunn)
Sudeten-Durchquerung Teil 2: Hinter Jedlina-Zdrój (Bad Charlottenbrunn) © gipfelwelt.net

Heute hatte ich das Eulengebirge hinter mir gelassen und diese Etappe führte mich durch die Waldenburger Sudeten. Unglaublich, aber wahr: Die Sonne schien tatsächlich den ganzen Tag über immer mal wieder.

Auf dem GSS überquerte ich wie in den letzten Tagen schon bewaldete Hügel auf meist ganz netten Waldwegen. Selbst die auf der Karte eingetragenen Aussichtspunkte boten aber nicht allzu viel Sicht, sodass meine Laune nicht sehr gut war. Mal einen etwas besseren Blick gabs beim Wegkreuz unterhalb des Rogowiec-Gipfels.

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Wegkreuz am Rogowiec
Sudeten-Durchquerung Teil 2: Wegkreuz am Rogowiec © gipfelwelt.net

Ich gelangte auf eine Straße, die mich zur Andrzejówka/Andreasbaude brachte. An der riesigen bewirtschafteten Berghütte gibt es einen Parkplatz und eine Bushaltestelle. Ich war nicht motiviert, auf dem Kamm weiter zu gehen, und sparte lieber etwas Kraft auf dem Weg über eine schöne Anhöhe im Tal. Dieser brachte mich zur Ruine der Zamku Radosno/Burg Freudenburg auf einem Felsvorsprung mit einem tollen Rastplatz. Das war jetzt sogar ein überraschendes Highlight.

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Zamku-Radosno-Ruine © gipfelwelt.net

Danach ging ich auf Waldwegen neben einem Bachlauf weiter, bis ich kurz vor Sokołowsko auf eine Straße traf und dieser an einer schönen orthodoxen Kirche vorbei folgte. Danach musste ich noch eine Siedlung durchqueren, bevor ich endlich wieder auf einen Waldweg abzweigen konnte.

Nach Überqueren der nächsten Waldhügel ging ich über Felder auf Mieroszów zu, das sich von der Ferne mit tollem Panorama präsentierte. Der Weg war nur rudimentär zu erkennen. Der Marktplatz mit seinen schönen Häusern wurde leider gerade komplett neu gepflastert. Hier gibt es einen Supermarkt, Einkehrmöglichkeiten und einen Bahnhof.

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Mieroszów
Sudeten-Durchquerung Teil 2: Mieroszów © gipfelwelt.net

Meine eh schon miese Laune fiel auf den absoluten Tiefpunkt, als ich feststellte, dass mir nun einige Kilometer Landstraße bevor standen. Als ich diese hinter mich gebracht hatte, konnte ich eine kleine Schleife auf einem Waldweg machen, die jetzt sogar schöne Aussichten bot. Ich erreichte die überraschend schöne Kapelle Świętej Anny, und jetzt war nur noch der Abstieg zum heutigen Etappenziel zu bewältigen.

Da es hier keine Hotels gibt, hatte ich ein Apartment gebucht und versorgte mich aus dem Supermarkt. Ansonsten gibt es in Schömberg noch ein Restaurant und eine Busstation. Das Panorama der Waldenburger Sudeten und des Riesengebirges mit der Schneekoppe in der Ferne ist sehr schön und mir gefiel auch die Abendstimmung an diesem milden Frühlingsabend. Im ganzen Ort spielten Kinder unbeschwert und flitzten mit ihren Mountainbikes umher.

Tag 8: Chełmsko Śląskie/Schömberg – Malá Úpa/Kleinaupa (7 h, 31 km)

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Hinter Schömberg
Sudeten-Durchquerung Teil 2: Hinter Schömberg © gipfelwelt.net

War das Wetter gestern schon recht gut gewesen, empfing mich heute am dritten Wandertag der Sudeten-Durchquerung Teil 2 strahlender Sonnenschein! Ich folgte weiß-blau-weißen Markierungen aus Schömberg hinaus, wobei ich eine Weile auf Landstraße gehen musste. Aber die Straße neben dem Flusslauf der Zadrna/Zieder war ruhig und ganz nett. Fast am Ortsende ging es jetzt eine Anhöhe hinauf über Wiesen und die üblichen bewaldeten Hügel, wobei ich die polnisch-tschechische Grenze passierte. Für den Rest der Tour war ich jetzt wieder in Tschechien.

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Blick auf die Schneekoppe vor Berndorf
Sudeten-Durchquerung Teil 2: Blick auf die Schneekoppe vor Berndorf © gipfelwelt.net

Ich erreichte Bernartice/Bernsdorf. Hier gibt es Pensionen, Restaurant und kleine Supermärkte, Bahnhof sowie Bushaltestelle. Für mich folgte aber hier ein sehr unschöner Abschnitt auf der Straße den weiß-grün-weißen Markierungen folgend, unter einer riesigen Zugbrücke durch und schließlich noch über die endlose Baustelle der Autobahn, durch welche irgendwann mal die D11 bis nach Polen verlängert und mit der S3 verbunden werden soll. Besonders weit waren die Bauarbeiten aber noch nicht.

Gottseidank zweigte der Weg jetzt ab und führte eine schöne Aue entlang, wo mich eine Ziegenherde begrüßte. So ging ich über nach Žacléř (Schatzlar), einem etwas größeren Ort, der von einer berühmten Porzellanfabrik geprägt ist. Hier gibt es Pensionen, Restaurants und Supermärkte. Der Bahnhof wird nur zu Tourismuszwecken rudimentär befahren.

Ich folgte weiter weiß-grün-weißen Markierungen aus dem Ort hinaus und erreichte somit die nächste Gebirgsgruppe der Sudeten, die auch gleichzeitig ihre bekannteste sein dürfte: das Riesengebirge. Ich passierte die Hubertusbaude, die nicht mehr bewirtschaftet wird, und konnte einen weiten Blick zum Bukówka-See genießen.

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Grenzweg hinter Schatzlar
Sudeten-Durchquerung Teil 2: Grenzweg hinter Schatzlar © gipfelwelt.net

Der Weg führte mich jetzt auf den Hauptkamm des Riesengebirges, der auch gleichzeitig wie schon ganz am Anfang meiner Sudeten-Durchquerung der Grenzweg Tschechien-Polen ist und jetzt ein bisschen öfter als in den letzten Tagen schöne Aussichtspunkte bot. Weiter ging es auf der Via Czechia mit weiterhin weiß-grün-weißen Markierunge. Die Schneekoppe, der höchste Berg des Riesengebirges, war immer wieder mal prominent zu sehen.

Dann folgte wieder ein stark bewaldetes aussichtsarmes Stück mit Schneeresten und kurz vor dem Tagesziel musste ich den Grat verlassen wegen brütender Rebhühner. Doch dann erreichte ich Kleinaupa (1.050 m), das als ultratouristisches Skidorf mit Busstation, Unterkünften und Restaurants aufwartet, aber keinerlei normale Infrastruktur wie etwa Lebensmittelgeschäfte hat.

Der Sudeten-Wettergott konnte zwei Sonnentage nicht hinnehmen, sodass es die nächsten zwei Tage durchschütten sollte. Ich ließ es mir derweil in einem Wellnesshotel gut gehen und wappnete mich für den letzten und höchsten Abschnitt der Sudeten-Durchquerung Teil 2.

Tag 9: Malá Úpa/Kleinaupa – Szklarska Poręba/Schreiberhau ( 7:45 h, 33 km)

Noch nicht mal auf die Schlechtwetter-Vorhersage konnte ich mich in den Sudeten verlassen: Das was dann tagsüber tatsächlich runterkam, hätte mich im Normalfall nicht vom Weitergehen abgehalten. Die Unwetter spielten sich hauptsächlich nachts ab und dabei schneite das Riesengebirge neu ein. Als die meiste Zeit einziger Gast in meinem Wellnesshotel genoss ich trotzdem die Pause mit Spa und einem ganzen Apartmenthaus, das zum Hotelkomplex gehörte, für mich allein.

Nun endlich konnte der letzte Wandertag meiner Sudeten-Durchquerung Teil 2 starten. Am Morgen war es recht neblig, aber auch ohne Aussicht gefiel mir die Stimmung im frischen Schnee sehr gut. Der Kammsteig und Tafelstein waren – wieder wegen der Rebhühner – gesperrt, sodass ich anfangs unterhalb des Grats auf dem weiß-rot-weißen Weg durch Wald gehen musste.

Am Eulenpass traf ich auf die weiß-blau-weißen Markierungen und es begann die Königsetappe meiner Sudeten-Durchquerung, wenngleich weiterhin im Nebel. Ich passierte die bewirtschaftete Jelenka/Emmaquellenbaude und machte mich auf gutem Weg an den Aufstieg zur Czarna Kopa/Schwarzen Koppe (1.411 m). Aufgrund des extrem stark frequentierten Gratwegs sind hier über weite Abschnitte terrassenartige Stufen angelegt worden. Heute war ich aber bislang ganz allein unterwegs und meine Schuhe machten die ersten Spuren im Schnee.

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Vereiste Schneekoppe

Jetzt ging es auf zum höchsten Punkt und größten Hotspot des Riesengebirges: Der Schneekoppe (1.603 m). Zum Glück hatte heute die Seilbahn zu, sodass ich im Gegensatz zu meiner Riesengebirge-Wanderung im Caspar-David-Friedrich-Jahr heute einen völlig einsamen Gipfel erleben konnte. Die verwaiste wie vereiste Bergstation wirkte wie eine Polarstation.

Der Abstieg über den teilweise steilen Fels war wegen des vielen Schnees ein bisschen fordernd. Nun kamen mir die ersten Wanderer entgegen. So passierte ich das bewirtschaftete Dom Śląski/Schlesierhaus und der Himmel begann allmählich ein bisschen aufzureißen. Hier stößt der GSS auf den Kammweg.

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Kopa nad Moreną
Sudeten-Durchquerung Teil 2: Kopa nad Moreną © gipfelwelt.net

Die Kopa nad Moreną musste ich umgehen, da der Schnee zu tief und zu weich war. Spätestens ab dem Słonecznik/Mittagstein hatte ich endlich freien Blick über das Riesengebirge und die hiesigen Klippen, der einfach nur grandios ist. Glücklich diejenigen welche erst jetzt auf die Schneekoppe kamen.

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Mittagstein
Sudeten-Durchquerung Teil 2: Mittagstein © gipfelwelt.net

Vorbei an Kleinem Rad und Kleiner Sturmhaube erreichte ich nach kurzem Abstieg erst das ehemalige Jugendkammhaus Rübezahl, das in ein Hotel umgewandelt wurde, aber ich glaube nicht mehr in Betrieb ist, sowie gleich darauf das einzige Hotel auf dem Riesengebirgskamm Spindlerbaude. Ich finde es teuer und in die Jahre gekommen.

Jetzt musste ich einen kurzen Abschnitt Asphalt gehen bis zur frisch sanierten bewirtschafteten Petrovy Boudy/Petersbaude, die neben klassischer Berghütten-Unterbringung auch Apartments vermietet.

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Mannsteine

Dann fuhren die Sudeten nochmal alles auf, was sie zu bieten hatten. Ich stieg zu den Śląskie Kamienie/Mädelsteinen (1.413 m) auf, die aus mehreren Steinpyramiden bestehen und tolle Aussicht bieten. Kurz darauf erreichte ich die fast so beeindruckenden Czeskie Kamienie/Mannsteine (1.415 m), und es folgte der wunderschöne Abstieg zum Czarna Przełęcz/Agnetendorfer Pass (1.350 m) mit Prachtpanoramen zurück auf Kleine Sturmhaube und dem obersten Zipfel der Schneekoppe, sowie nach vorn zur sich breit erstreckenden Großen Sturmhaube mit einer riesigen Sendestation.

Jetzt war aber Schluss mit lustig: Ungeplant wurde ich auf die Winterroute gelotst und durfte nicht weiter auf dem Kamm gehen. Ich überquerte die tschechisch-polnische Grenze ein letztes Mal. Nach einem steilen Abstieg durch den tiefen Schnee ging ich parallel zum Kamm durch den Wald über mehrere rauschende Bachläufe. So erreichte ich die bewirtschaftete Alte Schlesische Baude und folgte jetzt wieder dem planmäßigen Verlauf.

Die letzten Kilometer der Sudeten-Durchquerung Teil 2 führten mich unspektakulär auf gemütlichem weiß-gelb-weiß markiertem Weg stetig bergab, bis ich den populären Ferienort Szklarska Poręba/chreiberhau erreichte. Es handelt sich um einen typischen im Alpinstil errichteten mehr oder weniger künstlichen Ort, der mit Hotels, Gastronomie, Supermarkt, Bahnhof, Sportstätten und allerlei touristischen Ständen und Geschäften sämtliche Urlauberbedürfnisse bis hin zu einer Art Nachtleben erfüllt.

Karte und GPS-Route Sudeten-Durchquerung

Alle Infos und Tourenberichte Sudeten-Durchquerung

Sudeten-Durchquerung Teil 1: Zöptau – Kamionki

Sudeten-Durchquerung Teil 2: Kamionki – Schreiberhau

Sudeten-Durchquerung Vorbereitung

Beitrag zuletzt aktualisiert am 14.05.2026 von Raffaele

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