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Karst

Karstlandschaft in den Pyrenäen
Karstlandschaft in den Pyrenäen © gipfelwelt.net

Oberflächenfelsformationen wie Auswaschungen, Rinnen und Furchen, die das typische alpine Landschaftsbild prägen, werden als Karst bezeichnet. Die Definition.

Oberirdischer und unterirdischer Karst

Wer an Berge denkt, dem kommen sicherlich als erstes schroffe Felsformationen in den Sinn. Wenig düfte so typisch sein für die Hochgebirgslandschaft wie die über Jahrtausende entstandenen Gesteinsoberflächen der Berge, die sich durch die Einflüsse der Witterung auch kontinuierlich weiter verändern. Teilweise sehen solche Landschaften aus wie unwirtliche Gesteinswüsten mit Karren und Dolinen (Bodenvertiefungen im Karst), teilweise haben sie irre Formen auf der Bergoberfläche erzeugt mit freistehenden Gesteinspyramiden und Türmen sowie anderen verrückten Bergkonturen. Auch Poljen (ebene Flächen) und Höhlen, Monolithen, steil abfallende Wände und in diesem Setting entstandene Fluss- und Seenlandschaften werden unter dem Begriff Karst zusammengefasst.

Da also sowohl Höhlen und unterirdische Wasserläufe mit unter die Definition fallen, als auch die Beschaffenheit der frei sichtbaren Felsen, können mit Karst sowohl oberirdische, als auch unterirdische Gesteinsformationen gemeint sein.

Das Gestein kann sowohl nackt, als auch mit einer Vegetationsdecke bedeckt sein. Eine größere Vegetationsdecke durch Verwaldung scheint jedoch durch die rauhen Gegebenheiten dieses Naturraums verhindert zu werden, wie geologische Studien ergeben haben. Während man lange Zeit dachte, dies würde durch die menschliche Nutzung des Naturraums insbesondere für die Tierzucht beeinflusst, spielt das offenbar keine Rolle bei der Verhinderung der Entstehung von Wäldern. Im Mittelmeerraum wurde der flache und wasserreiche Karst sehr intensiv für die Haltung von Nutztieren verwendet, während dies in den anderen Erdregionen mit dieser Landschaftsformation nicht der Fall war. Tatsächlich tritt die Bewaldung aber weltweit gleichermaßen nirgends auf. Die Ursachen scheinen also eher in den rauhen klimatischen Bedingungen dieser Landschaftszonen zu liegen.

Karst als Zeichen der Verwitterung

Das rauhe Klima wird vor allem durch das Wasser geprägt. Denn was solche Landschaftsbilder geformt hat, ist in erster Linie Wasser in all seinen Aggregatszuständen. Niederschlag, Fließgewässer und auch Gletscherbewegungen haben einen großen Anteil an der erfolgten Erosion des Gesteins.

Die oberirdischen und unterirdischen Spuren im Gestein sind über extrem lange Zeiträume von mehreren Tausend Jahren bei Verwitterungsprozessen (“Verkarstung”) durch Oberflächen- oder Grundwasser entstanden. Sie haben durch Gesteinskorrosion einerseits Hohlformen bis hin zu unterirdischen Höhlen gebildet, und andererseits Vollformen, die wie Türme wild hervorstehen.

Durch Spalten und Fugen dringt das Wasser auch ins Gestein ein und verursacht dort die unterirdischen Lösungsprozesse. An der Oberfläche wird die Korrosion in erster Linie in den Fließlinien der Gewässer ausgelöst, also entlang von Vertiefungen, Rinnen und generell der Falllinie der Erhebungen.

Voraussetzung für Korrosionsprozesse ist dabei natürlich ein Gestein, das wasserlöslich ist. Genauer gesagt ist es die im Wasser enthaltene Kohlensäure, die das Gestein löst. Dementsprechend sind Karst-Landschaften in Gebirgen zu finden, die aus wasserlöslichen Gesteinen wie Kalkstein und Dolomit, Gips oder Salzgesteinen bestehen.

Auftreten

Es gibt also im Wesentlichen zwei klimatisch-geologische Voraussetzungen, nämlich wasserlösliches Gestein und eine wasserreiche Region, die Karstlandschaften hervorbringen. Diese Bedingungen gelten vor allem in den gesamten Gebirgsregionen des Mittelmeerraums, in Südostasien, Teilen Chinas und Australiens und einigen Karibikinseln.

Kleinräumigere Formationen finden sich aber auch andernorts, zum Beispiel haben unsere Mittelgebirge auch Karst in Deutschland hervorgebracht (Schwäbische und Fränkische Alb). Auch andere Teile der Alpen und der Jura sind stellenweise von einem entsprechenden Landschaftsbild geprägt.

Bedeutung für Bergtouren

Für das Bergwandern und Bergsteigen bedeuten Abschnitte durch verkarstete Landschaften in der Regel besonders eindrückliche Touren. Die Einsamkeit der Natur in Kombination mit dem wilden und rauhen Landschaftsbild sowie der oftmals wasserreichen Region mit Seen, Flüssen und auch Wasserfällen lassen uns die ganze Kraft und Ursprünglichkeit des Hochgebirges erleben. Solche Abschnitte auf Bergtouren können allerdings auch etwas fordernd sein, da es hier viele ausgesetzte Passagen gibt und die Orientierung im Gestein manchmal nicht so leicht fällt.

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