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Alpinismus

Ein Sinnbild für den Alpinismus: Die Seilschaft
Ein Sinnbild für den Alpinismus: Die Seilschaft © Pixabay/Simon Steinberger

Der Alpinismus zählt seit 2019 zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe. Er bezieht sich mittlerweile auf die gesamte Gebirgswelt der Erde. Die Definition.

Der Name Alpinismus und die Wortherkunft lässt sich durch Geschichte erklären: Das Wort kommt ganz einfach daher, dass der Begriff in den Ländern des Alpenraumes entstanden ist. Er begrenzt sich in seiner Bedeutung aber mitnichten auf die Alpen, sondern schließt vielmehr die Hochgebirgswelt rund um den Globus mit ein.

Was bedeutet Alpinismus? Zunächst geht es bei diesem Begriff per Definition um eine philosophische Betrachtung der Bergwelt. Also in etwa was es bedeutet, mit den Bergen zu leben und den Naturraum ihrer Wildnis zu erhalten? Vor allem die Verantwortung gegenüber der Natur und das Miteinander der alpinen Gemeinschaft beim Erleben der Gebirgswelt tragen den Alpinismus. Die Bergwelt soll für den Menschen da sein und genutzt werden, aber eben nicht, ohne sie zu zerstören.

Somit sind zwei Dinge erforderlich für erfolgreiche, sichere und erlebnisreiche Abenteuer im Hochgebirge: Umfangreiches Wissen über Naturgegebenheiten und Wetterverhältnisse, Techniken und Fähigkeiten auf der einen Seite. Dies schützt die Natur, schützt uns aber auch selbst, wenn wir uns der Natur aussetzen. Die zweite Sache ist das gegenseitige Vertrauen auf gemeinsame Teilnehmer von Expeditionen, Eigenverantwortung und Solidarität auf der anderen Seite, wofür sinnbildlich wie wortwörtlich sicherlich die Seilschaft steht: Miteinander verbunden, kann einer die anderen in den Abgrund reißen. Aber durch die Übernahme gegenseitiger Verantwortung sind alle sicherer unterwegs als alleine und können einen Stürzenden retten.

Neben der philosophischen Komponente fällt unter Alpinismus die Sportkomponente: Das Klettern und Wandern im Hochgebirge, das Besteigen und Erobern der hohen und höchsten Gipfel des Planeten. Dabei ist weniger das Bergwandern als Massensport gemeint, sondern alles ab dem Schwierigkeitsgrad des Bergsteigens bis hin zur extremsten Form davon: Eiskletterei, senkrechtes Passieren von Steilwänden, Gipfelbesteigungen durch das Überwinden natürlicher Hindernisse mithilfe physischer und geistiger Kraft.

Technische Hilfsmittel wie Seile, Eisäxte, Kletterhaken und so weiter kommen beim alpinistischen Bergsteigen natürlich zum Einsatz. Der Bergwanderer hingegen bewegt sich nur in Bereichen, wo es ohne technische Hilfsmittel möglich ist. Doch auch schon Klettersteige mit befestigten Wegen durch die Steilwand fallen nicht mehr unter den Begriff Alpinismus, während sie durchaus dem Bergsteigen schon zugerechnet werden können.

Dieses zugrundelegende sportliche und philosophische Konzept kann durchaus kritisch gesehen werden. Wenn Bergsteiger rund um die Welt wetteifern, die Seven Summits bestiegen zu haben, dann geht damit auch eine sehr fragwürdige Alpinismus-Entwicklung einher. Die Instrumentalisierung zu Marketingzwecken, ein irres Aufgebot an Expeditionsteams und mediale Begleitung mit Kamerateams und der Selbstinszenierung auf Social Media haben eine Breitenwirkung und verändern auch die Regionen und Menschen. Das gnadenlos überfüllte Mount Everest-Basecamp mit Vermüllung und Mondpreisen ist nur ein Beispiel für die traurigen Folgen eines übertriebenen Alpinismus.

Anstatt dieser Gleichförmigkeit durch das, was alle angeblich gemacht haben müssen, wäre es für die Protagonisten eine wichtige Aufgabe, die Vielfalt der Bergwelt aufzuzeigen und zu vermitteln. Ist es nicht viel schöner, einen anderen Berg des Himalaya zu besteigen, der nicht Mount Everest heißt und als höchster Berg der Welt gilt, dafür aber ursprüngliche Natur und vor allem Einsamkeit bietet?

Ein moderner Alpinismus ist für mich somit die Rückbesinnung auf die philosophische Komponente dieses Begriffs, um die Schönheit und Vielfalt der Hochgebirgslandschaft für zukünftige Generationen zu bewahren. Wenn ich in den Alpen auch heute noch mitten in der Hochsaison auf einsamsten Wegen unterwegs sein kann, während sich andernorts Menschentrauben die Wanderrouten entlang schrauben, dann braucht es doch einfach mehr Abenteuergeist und Mut der Meinungsmacher. Brauchen wir alle denselben Spot auf unserem Instagram-Account, oder haben nicht alle mehr davon, wenn wir unseren eigenen Spot entdeckt haben und mit der Welt teilen?

Alpinismus als Kulturerbe

2019 wurde der Begriff Alpinismus in die Liste des immateriellen UNESCO-Kulturerbes aufgenommen. Das offizielle Video der UNESCO dazu ist zwar auf Französisch, vermittelt aber auch wenn du kein Französisch verstehst über die Bilder einen ganz guten Eindruck davon, welche Art von Outdoor-Aktivität darunter zu verstehen ist:

© YouTube/UNESCO