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Sudeten

Der Altvater in den Sudeten
Der Altvater in den Sudeten © gipfelwelt.net

Die Sudeten sind ein Mittelgebirgszug zwischen Deutschland, Tschechien und Polen. Sie sind vor allem für das Riesengebirge bekannt. Tipps und Tourenberichte.

Definition

Die Sudeten (tschechisch und polnisch: Sudety) sind ein komplex aufgebautes Mittelgebirgssystem in Mitteleuropa. Als Teil der Böhmischen Masse erstrecken sie sich über eine Länge von circa 310 km von Dresden bis nach Ostrava. Sie umfassen damit die Grenzregion zwischen Deutschland, Polen und Tschechien in Sachsen, Böhmen, Mähren und Schlesien.

Die Sudeten gliedern sich in zahlreiche teilweise sehr kleine Gebirgsgruppen, bedingt durch die Bildung von Kesseln. Die bekanntesten Untergruppen sind das Riesengebirge mit der Schneekoppe (1.603 m) als höchstem Gipfel des gesamten Gebirges sowie das Altvatergebirge mit dem namensgebenden Altvater (1.492 m) als höchstem Berg Mährens.

Geologie und Geomorphologie

Geologisch ist dieses Mittelgebirge ein Mosaik aus sehr alten, teils präkambrischen Gesteinen wie Gneise und Schiefer sowie jüngeren Intrusionen wie dem Riesengebirgsgranit. Während der variszischen Gebirgsbildung gefaltet, wurden sie im Tertiär durch die Fernwirkung der Alpenbildung erneut blockartig gehoben. Die Sudeten sind also schon hunderte Millionen Jahre alt. Die niederschlagsbedingte starke Erosion des Gesteins lässt sie aber nicht so wirken und sorgt für die charakteristischen runden Koppen als Gipfelformen, die dem Gebirge sein typisches eher liebliches Aussehen geben. Die pleistozäne Vergletscherung hinterließ in den Hochlagen, vor allem im Riesengebirge, deutliche Spuren wie Karseen (z.B. der Große Teich) und Moränen.

Die Vegetation zeichnet sich durch eine ausgeprägte vertikale Zonierung aus. Die unteren Lagen sind durch Buchen- und Mischwälder geprägt, die in den höheren Lagen ab ca. 800 m in reine Fichtenwälder übergehen. Oberhalb der Waldgrenze bei etwa 1.200 m finden sich alpine Rasengesellschaften und Krummholz-Bestände (Latschenkiefer). In den Kammregionen befinden sich ökologisch bedeutende Hochmoore mit seltenen Torfmoosen und dem Sonnentau.

Die Fauna ist eine Mischung aus mitteleuropäischen Waldarten und spezialisierten Hochgebirgsbewohnern. Neben Rotwild und Wildschweinen finden sich vereinzelt Luchse. In den Jeseníky (Altvatergebirge) existiert eine (künstlich angesiedelte) Population von Gemsen. Die Sudeten sind Rückzugsraum für seltene Vogelarten wie das Auerhuhn, das Birkhuhn und den Schwarzstorch, die in der Brütezeit durch Sperren der Wanderwege besonders geschützt werden. In Felswänden brüten Wanderfalken.

Historische Entwicklung

Die Geschichte der Sudeten ist geprägt von der Wechselwirkung zwischen Mensch und schwieriger Topographie. Ab dem 13. Jahrhundert erfolgte die Besiedlung durch deutsche und slawische Siedler, was zu viel Rodung und vor allem in Niederschlesien zu intensivem Bergbau führte. Denn das Gestein war reich an wertvollen Rohstoffen wie Gold, Silber, Eisenerz, Kobalt, Kupfer, Blei und Steinkohle. Sie bereiteten den Weg für die industrielle Ära: Berühmt wurden die Sudeten später für die Glasmacherkunst sowie die Textilindustrie.

Im 20. Jahrhundert folgte das schwierigste historische Kapitel. Der Begriff „Sudetenland“ wurde politisch von den Nazis instrumentalisiert für den deutschsprachigen Teil der Bevölkerung. Nach 1945 folgte deren fast vollständige Vertreibung und die Neubesiedlung durch Polen und Tschechen.

    In den 1970er und 1980er Jahren kam es zu einer ökologischen Krise, denn das Gebirge litt massiv unter dem sauren Regen und dem damit verbundenen Waldsterben, was zu großflächigen Abholzungen und späterer Wiederaufforstung führte.

    Bedeutung der Sudeten für das Bergwandern

    Die Sudeten haben einen enorm hohen Stellenwert durch zahlreiche Naherholungsgebiete. Die üppige Flora und die in weiten Teilen kaum berührte Natur mit zahlreichen Naturschutzgebieten bietet ein weitläufiges Wegenetz für Wanderungen, auch wenn die wirtschaftlich größere Bedeutung beim Wintersport liegt. Das erklärt sich auch durch die Klimatabelle: Sie zeigt recht eindrucksvoll, wie intensiv das Mittelgebirge Niederschlag ausgesetzt ist und dadurch ungeachtet der nicht besonders hohen Gipfel eine gute Schneesicherheit bietet.

    Für das Bergwandern ist ein entsprechend vorausschauendes Planen angezeigt, um zum einen mental auf den Regen eingestellt zu sein, und um zum anderen auch zeitlichen Puffer für das Aussitzen von Regentagen zu haben. Dafür gibt es an jeder Ecke ein schönes und günstiges Berghotel, oft mit Wellnessbereich.

    Die maßgeblichen Fernwanderwege durch die Sudeten, die sich auch sehr gut als Ausgangspunkte für die Planung für Tagestouren eignen, sind der Europäische Fernwanderweg E4 sowie der polnische Główny Szlak Sudecki (GSS). Ein dichtes und gut gewartetes Wegenetz macht die Erkundung des Gebirges zu Fuß sehr leicht.

    Sudeten: Meine Tourenberichte

    Riesengebirge-Wanderung über die Schneekoppe

    Sudeten-Durchquerung

    Beitrag zuletzt aktualisiert am 15.05.2026 von Raffaele