Ist wandern teuer? 8 Spartipps

Ist Wandern teuer? Cent-Münzen und Wanderkarte
Ist Wandern teuer? Cent-Münzen und Wanderkarte © gipfelwelt.net

Fragst du dich, ob wandern teuer ist? Das muss es zumindest überhaupt nicht sein. Ich verrate dir sieben Spartipps.

In dieser Zeit des Lockdowns und der Rezessionsängste achten die Menschen mehr aufs Geld. Vielleicht fragst du dich da auch mal, ob wandern teuer ist als Hobby und Freizeitbeschäftigung, beziehungsweise wie man günstig wandern kann. Da habe ich sieben Spartipps für dich.

Kostenloser Zugang

Zunächst einmal: Ich denke, es gibt wenige Sportarten, die man so günstig ausüben kann wie das Wandern. Kann. Denn das Tollste und Faszinierendste am Wandern ist für mich die fast grenzenlose Freiheit und Unabhängigkeit. Du allein als Tourenplaner entscheidest und gestaltest das Vorhaben ganz so, wie du es haben möchtest.

Ob es dann auch genauso klappt, ist natürlich eine andere Frage. Denn Faktoren wie das Wetter oder die Wegbeschaffenheit kannst du nicht beeinflussen. Aber zunächst einmal hast du die volle gestalterische Freiheit, wo, wann, wie lange und mit welcher Ausrüstung du wandern gehen möchtest.

Spartipp 1: Nationalparks und auch sonstige Wanderregionen kosten (bis auf ganz wenige Ausnahmen) keinen Eintritt, deine Verpflegung kannst du mitbringen und in vielen Parks ist Biwakieren erlaubt. Dann kannst du kostenlos im Tarp oder je nach Regelung des Parks sogar oft auch im Zelt übernachten.

Geringe Grundausstattung

Um einfach loszugehen, brauchst du eigentlich recht wenige Dinge. Diese sehr überschaubare Packliste sollte für jeden Geldbeutel machbar sein. Vieles davon kaufst du auch nicht extra zum Wandern. Regenjacke, Mütze, Sonnencreme und irgend einen Rucksack beispielsweise hast du wohl sowieso in deinem Haushalt.

Das einzige unverzichtbare Element der Grundausstattung, das du vielleicht extra kaufen musst, sind wasserdichte, gut gepolsterte und rutschfeste Schuhe.

Spartipp 2: Wenn du dich erst mal ein bisschen ausprobieren und wenig investieren willst, kannst du dich bei einem Discounter wie Decathlon mit den Produkten der günstigen Eigenmarken eindecken. Die sind natürlich nicht so extrem langlebig. Auch die teureren Outdoor Läden bieten größtenteils günstige Eigenprodukte an. Große Marken machen das Wandern teuer im Vergleich zu diesen eher unbekannten Eigenmarken.

Spartipp 3: Kaufe antizyklisch, um zu vermeiden, dass die Anschaffungen für das Wandern teuer sind. Am günstigsten kriegst du Produkte am Saisonende, also im Wintersale ab Februar und im Sommersale ab August. Allerdings lancieren die Hersteller genau da natürlich auch ihre neuen Kollektionen für die kommende Winter- bzw. Sommersaison und wollen sie dir schmackhaft machen. Also mach es gegen den Trend, dann kommst du am billigsten weg: Kaufe möglichst die Artikel für den Sommerbergsport am Ende der Sommersaison und die Artikel für den Winterbergsport am Ende der Wintersaison.

Spartipp 4: Selbst für Wanderführer und Kartenmaterial brauchst du nicht unbedingt Geld ausgeben. Die Tourismusverbände stellen auf ihren Portalen vermehrt kostenfreie Tourenbeschreibungen mit GPS-Tracks zur Verfügung. Dann brauchst du nur noch eine App wie ViewRanger, die mit Open Source Kartenmaterial funktioniert. Schon reicht dein Smartphone aus für die grundlegende Orientierung mit digitaler Karte oder sogar GPS-Navigation beim Wandern. Das klappt so einfach aber natürlich nur auf den prominenten Touren einer Region, für die es diese Infos umsonst gibt, und wenn die Dauer einer Akkuladung deines Handys nicht überschritten wird.

Was das Wandern teuer macht

Kostentreiber, die du gegebenenfalls mit einkalkulieren musst, sind vor allem drei: Region, Dauer und Höhe der Wanderung.

Die Region

In der Schweiz, in Norwegen und in Island ist wandern teuer im Vergleich zu allen anderen europäischen Ländern, weil diese Länder generell viel höhere Preisniveaus haben. Es sind übrigens laut OECD sogar drei der teuersten Länder der Welt. Da zahlst du dann für die Übernachtung auf einer Berghütte so viel wie anderswo im Vier-Sterne-Hotel. Es fängt aber schon bei den Supermarktpreisen an, also auch, wenn du dich selbst verpflegen möchtest. Gleiches gilt für die Transportpreise, denn irgendwie musst du ja zum Startpunkt deiner Tour kommen. Und auch wenn du auf der Tour mit dem Zelt unterwegs bist, brauchst du vorher und nachher reguläre Unterkünfte mit entsprechenden Preisen.

Besonders für Fernreisen, aber selbst für Reisen in Nachbarländer kannst du da im Vorfeld schon mal die Richtung vorgeben. Also setze dich ruhig mal mit dem Preisniveau eines Landes auseinander. Da kannst du sogar noch die eine oder andere Überraschung entdecken. Oder wüsstest du spontan, welches Land in Europa das günstigste Preisniveau hat? Es ist übrigens ein Land mit fantastischen Wandermöglichkeiten, auch und gerade weil es dafür nicht so bekannt ist;-) Aber schau doch mal selbst nach:

Spartipp 5: Wenn du wissen möchtest, wo du ganz grundsätzlich besonders teuer oder besonders günstig reist und somit auch das Wandern teuer oder eben günstiger ist, schau dir den Preisniveau-Index bei der OECD an.

Die Dauer

Natürlich steigen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung mit der Dauer deines Tourenvorhabens. Aber das meine ich gar nicht, denn essen und schlafen musst du eh jeden Tag. Allerdings hat die Tourendauer wie auch die Höhe den Effekt, dass du mehr, robusteres und leichteres Material brauchst. Sonst vergeht dir schnell die Lust und Freude an deiner Tour und das macht das Wandern teuer durch die Anschaffungskosten im Vergleich zu einer Tagestour.

Außerdem brauchst du für lange Trekkingtouren, wo du im Zelt übernachtest und dich selbst verpflegst, natürlich auch mehr Ausrüstung: Zelt, Campingküche, Schlafsack, Isomatte, Wechselklamotten und so weiter. Jetzt kommst du mit einem Smartphone auch nicht mehr weit. Du brauchst ein richtiges GPS-Gerät mit langer Akkulaufzeit und eine Powerbank zum Nachladen.

Spartipp 6: Mach dich mit meinen Tipps vertraut, wie du Packgewicht und Packvolumen sparst. Den den größten Effekt erreichst du durch Umstellen von Gewohnheiten, und nicht durch teure Produkte.

Die Höhe

Je höher deine Wanderregion gelegen ist, desto mehr geht die ganze Geschichte ins Geld. Die Gründe fangen bei einer erschwerten Anfahrt an. Die Infrastruktur verursacht außerdem im Hochgebirge deutlich höhere Kosten, um am Laufen gehalten zu werden, die der Reisende mittragen muss. So ist das Essen und die Verpflegung hier teurer und damit ist das Wandern teuer in der Höhe und günstiger im Flachland.

Dazu kommt noch der Mythen-Faktor. Da der Mensch nach dem Höheren strebt, sind viele der hoch gelegenen Gebirgsregionen Sehnsuchtsorte oder sogar Hot Spots, die natürlich auch entsprechend eingepreist werden. Sicher gibt es auch in ein paar Tausend Metern Höhe noch viel unetdeckte Regionen, da kriegt deine Wandertour aber schnell Expeditionsstatus und du musst dir alles selbst organisieren (lassen), was erst recht ins Geld geht.

Auch die Anforderunge an die Ausrüstung steigen mit den Höhenmetern. Wenn du auf ein paar Tausend Meter hoch steigst, beanspruchst du alles natürlich viel mehr als im Flachland, und du brauchst robustere Dinge. Da Hochtouren mehr auf die Kondition und Konzentration gehen, spielt das Packgewicht eine bedeutendere Rolle. Je leichter (gute) Ausrüstung ist, desto teurer ist sie leider auch.

Je nachdem brauchst du zusätzlich spezielles Equipment zum Bergsteigen, angefangen bei Trekkingstöcken und auch etwa ein Klettersteigset oder Steigeisen.

Spartipp 7: Nicht nur das Hochgebirge, auch das Mittelgebirge hat vieles für Wanderfreunde zu bieten. Du kommst außerdem einfacher hin und brauchst weniger Ausrüstung. Oft sind die Mittelgebirge auch viel weniger stark frequentiert, weil die Wandernden sie nicht so auf dem Radar haben wie etwa die Alpen. Ich habe zum Beispiel schon einsam und in eindrucksvoller Natur gewandert bei Neapel, im Hinterland Mallorcas und auf Sao Miguel. Aber es geht schon vor der Haustür los: Die deutschen Mittelgebirge haben sogar ihren eigenen Verein, da kannst du dich inspirieren lassen.

Spartipp 8: Dieser Tipp zum Schluss ist zugegebenermaßen etwas extravagant: Du willst eindrucksvolle Berggipfel, Gletscher und die gesamte fantastische Hochgebirgslandschaft erleben? Die gibt es aber nicht nur auf mehreren Tausend Metern Höhe. Je weiter ein Land vom Äquator weg liegt, desto niedriger ist die Baumgrenze. Umso unkomplizierter und teilweise fast schon mit Alltagsequipment gelangst du dort in die Hochgebirgsszenerie. Das ist beispielsweise in den skandinavischen Ländern der Fall. Ansonsten ist es für deine nächste Fernreise nach Argentinen, Kanada, Alaska oder Neuseeland vielleicht eine interessante Information. Natürlich ist es kein Schnäppchen, da hin zu reisen. Einmal dort, kannst du aber zumindest ohne großen zusätzlichen Aufwand und Kosten ein paar Wandertouren in die Reiseplanung mit aufnehmen.

Raffaele ist Autor der Gipfelwelt. Passonierter Bergwanderer, Tourengeher, Ultraleicht-Trekking-Fan, Ausrüstungs- und Bekleidungstester.
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