Mallorca: Trockenmauerroute

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Cuber-Stausee, Mallorca. © gipfelwelt.net

Abseits von Ballermann und Co. lässt sich ein zauberhaftes Mallorca entdecken: Auf der Trockenmauerroute durch die Serra Tramuntana. Leider scheint das Projekt ins Stocken geraten zu sein.

Die Serra Tramuntana ist ein Mittelgebirge, das sich an der Nordküste Mallorcas entlangzieht. 2000 plante man, mit dem Fernwanderweg GR 221 die Möglichkeit zu schaffen, das Gebirge auf ca. 150 km markierten Wegen und mit bewirtschafteten Berghütten zu durchschreiten. Wegen der zahlreichen zur Landwirtschaft terrassenförmig angelegten Trockenmauern (lose aufgeschichtete Natursteine) ist der Weg auch als “Trockenmauerroute” bekannt geworden. Diesen Frühling nun konnte ich diese Tour endlich machen, über die ich bereits vor Ewigkeiten gelesen hatte.

Trockenmauerroute, Mallorca
Kaum zu übersehen: Wegweiser des GR 221. © gipfelwelt.net

Wegen nach wie vor ungeklärten Situationen auf Privatgrundstücken scheint das Projekt Trockenmauerroute seit einigen Jahren nicht weiter vorwärts zu gehen. Es gibt derzeit fünf bewirtschaftete Hütten, die mit gut markierten Wegen verbunden sind, von Deja bis Pollenca:

  • Refugi de Can Boi (Deià)
  • Refugi de Muleta (Port de Sóller)
  • Refugi des Tossals Verds, derzeit (Frühjahr 2014) wegen Renovierung geschlossen
  • Refugi de Son Amer (Lluc)
  • Refugi del Pont Romà (Pollença)

Sie lassen sich über die offizielle Webseite reservieren, was Pflicht ist. Man benötigt einen Hüttenschlafsack oder muss Bettzeug ausleihen. Unterbringung im Mehrbettzimmer, Halbpension ist möglich. Die Hütten sind extrem günstig; inkl. Halbpension zahlt man um die 20 Euro.

Im Rother Wanderführer Mallorca findet sich eine Beschreibung der Etappen sowie der vorhergehenden Etappe von Valldemossa, die nicht gut markiert ist.

Tag 1: Deja – Rifugi de Muleta (3h)

Trockenmauerroute, Mallorca
Zahlreichst unterwegs zu bewundern: Mörtelfreie Trockenmauern

Stets in Küstennähe – teilweise etwas unschön entlang der Straße – unproblematischer Weg. Das Meer hat man fast die ganze Zeit im Blick. Das Ziel ist die paradiesisch gelegene Muleta-Hütte direkt neben einem Leuchtturm und mit Meerblick-Terrasse. Allerdings verfügt sie nur über einen riesigen Schlafsaal. Glück hat, wer Ohropax dabei hat.

Tag 2: Rifugi de Muleta – Prat-Quelle (7h)

Gemäß Rother-Empfehlung stiegen wir direkt über ein Küstensträßchen nach Port de Soller ab, wo wir dann wieder dem offiziellen Weg folgten. Das Stück bis Soller ist nicht besonders schön. Dafür begrüßte uns die hübsche Stadt mit einem Volksfest und nach Erreichen des Nachbarorts Biniaraix und Passieren diverser Zitronen- und Orangenplantagen beginnt der Aufstieg zum l’Ofre-Pass (875 m) und damit der lohnendste Abschnitt der Route: zwischen Soller und Lluc.

Nach Meistern des 800 Höhenmeter-Anstiegs öffnet sich der Blick über den Stausee Cuber und das Herzstück der Tramuntana mit dem höchsten Berg, dem Puig Major. Der Stausee ist ein Massenziel mit Autostraße und großem Parkplatz, doch außer rund um den See bekamen wir davon nicht viel mit.

Wir zweigten nicht nach rechts zum geschlossenen Refugi de Tossals Verds ab, sondern gingen ein eher unschönes Stück entlang eines überirdischen Beton-Wasserkanals, der jedoch die tolle Fernsicht nicht trübte. Dann ging es in den Wald. Wir schlugen uns bis zur Prat-Quelle durch, in deren Nähe wir einen tollen Zeltplatz – sogar mit Feuerstelle – fanden. Die erfrischende “Flaschendusche” an der Quelle war verdient. Auch andere Wanderer planten offensichtlich so wie wir; es fanden sich noch zwei Mädchen mit Zelt und zwei Wanderer, die unter dem Himmelszelt schliefen, an der Quelle ein.

Tag 3: Prat-Quelle – Coll des Prat – Lluc – Pollenca (8h)

Coll des Prat, Mallorca
Auf dem Coll des Prat, dem höchsten Punkt der Tour. © gipfelwelt.net

Wir planten die Route regulär viertägig, schritten dann aber an Tag 3 doch gleich bis zum Ende durch. Zunächst der steile Aufstieg zum Prat-Pass (1206 m), dem höchsten Punkt der Reise mit großartigem Rundumblick. Sodann verpassten wir den Abzweig über den Coll des Telegraf und stiegen über einen mit Steinhäufchen markierten Privatweg nach Lluc ab, wo wir Wegezoll entrichten mussten.

Nach der Stärkung in einem Cafe und der Begegnung von Heerscharen an Rennradfahrern – für die muss Lluc ein Knotenpunkt sein – nahmen wir die letzte Etappe auf uns, die leider nach dem anfänglichen Durchschreiten eines Kiefern- und Steineichenwaldes nicht mehr so schön ist und die letzten Kilometer undankbar neben der Autostraße zum – charmanten – Örtchen Pollenca führt.

Fazit

Tät ich die Trockenmauerroute nochmal, würde ich mich auf den Abschnitt Soller – Lluc beschränken.

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