Schichtsystem

Das Schichtsystem: Hardshell (links), Isolationsjacke (Mitte), UV-Shirt
Das Schichtsystem: Hardshell (links), Isolationsjacke (Mitte), UV-Shirt © gipfelwelt.net

Wer sich auf Wanderschaft begibt, braucht Kleidung im Schichtsystem, die sich schnell an wechselnde Wetterbedingungen anpasst. Die Wärmeisolierung sollte sich flexibel abstufen lassen. Feuchtigkeit soll schnell von innen nach außen abgegeben werden und möglichst keine Feuchtigkeit von außen eindringen.

Warm und trocken im Schichtsystem

Outdoor Hersteller wollen uns mit Unmengen an Funktionskleidung für jeden erdenklichen Einsatzzweck betreuen. Damit haben sich unter den Anwendern verschiedenste Fraktionen herausgebildet. Die Glaubenskriege toben bezüglich der unendlichen Palette an Funktionsmaterialien – in der Regel aus Kunststofffasern -, Membrane, Beschichtungen, natürlichen oder künstlichen Isolationsaterialien neben “Rückbesinnung” auf Wolle, Seide und Wachsbeschichtungen.

All das eint zunächst einmal das Schichtsystem, auch Zwiebelprinzip genannt. Denn beim Sport solltest du die Möglichkeit haben, die Kleidung spontant an sich verändernde Wetterbedingungen anpassen zu können. Die Wärmeisolierung sollte sich also flexibel abstufen lassen. Feuchtigkeit soll schnell von innen nach außen abgegeben werden und möglichst keine Feuchtigkeit von außen eindringen.

1. Bekleidungsschicht (Baselayer): Feuchtigkeitstransport

Feuchtigkeitstransport ist Aufgabe der 1. Bekleidungsschicht im Schichtsystem, die direkt auf der Haut liegt. Sich bildender Schweiß muss von der Baselayser Schickt abgegeben werden, die Kleidung darf nicht nass bleiben. Das wäre nicht nur ein sehr unangenehmes Tragegefühl, sondern kühlt auch aus.

Es gilt auszutesten, was einem am besten passt. Boxer, oder besser nur Slips? Was stört nicht beim bewegungsintensiven Tragen und erzeugt keine Reibung/Druckstellen?

Wo man besonders zur Schweißbildung neigt, ist Baumwolle ungeeignet. Auch der Geruchsbildung kann man mit speziellen Materialien mit Silberionen entgegen wirken. Es wird nicht immer möglich sein, jeden Tag frische Unterwäsche anzuziehen …

Beim Shirt ist es extrem sinnvoll, ein Modell mit nachgewiesenem UV-Schutz zu wählen, um vor der Gebirgssonne geschützt zu sein.

2. Bekleidungsschicht (Midlayer): Isolation

Feuchtigkeitstransport und Isolation sind die Zuständigkeiten der mittleren Bekleidungsschicht im Schichtsystem, die mehrere Zwischenschichten umfassen kann.

Über das Shirt kommt wenn es frisch ist eine Isolationsjacke. Hier haben sich die leichten, bequem zu tragenden und schnell trocknenden Fleece-Materialien etabliert. Neuere Isolationsfasern schlagen Fleece in punkto Gewicht und Funktionalität, da sie zusätzlich auch winddicht ausgestattet sind.

Bei großer Kälte – auf jeder Bergtour morgens und abends – braucht man noch eine isolierende (gefütterte) Jacke, auch hier greifen viele auf Fleece zurück. Daunen und Kunstfasern als Fütterung sind ebenfalls leicht und angenehm. Manche bevorzugen statt der Jacke eine Weste, um mehr Bewegungsfreiheit an den Armen zu haben. Verfrorene werden aber wohl die Wärme an den Armen vermissen. Viele greifen hier auf sogenannte ‘Softshell’-Produkte zurück, die eigentlich als Außenschicht konzipiert wurden, aber sich aufgrund ihrer weichen Beschaffenheit oft auch prima drunter tragen lassen. Sie sind immer auch winddicht und verhindern das Auskühlen bei kaltem Wind.

Bei zu erwartender extremer Kälte braucht es eine isolierende lange Unterhose und Handschuhe im Gepäck.

3. Bekleidungsschicht (Shell): Wind- und Wetterschutz

Winddicht und wasserdicht muss die dritte Schicht im Schichtsystem sein. Wärmeisolation ist nicht Aufgabe der Außenschicht. Sonst bräuchte man für jeden Temperaturumschwung ein extra Kleidungsstück. Wasserdichte Produkte werden als ‘Hardshell’ bezeichnet. Die Atmungsaktivität – also der Feuchtigkeitstransport nach außen – spielt hier eine entscheidende Rolle.

Die dritte Schicht stellt dementsprechend die große Herausforderung für die Outdoorhersteller dar und ist in der Regel am kostspieligsten. Denn ein Material, das von außen komplett dicht ist, aber trotzdem noch Feuchtigkeit von innen weiter gibt, gleichzeitig nicht total knistert und Plastik-Look-and-feel hat und den Bewegungsabläufen nicht im Weg steht, muss gefunden werden. In jeder Saison gibt es neue Bieterschlachten der Hersteller.

Möglichst leicht und platzsparend zusammenfaltbar sollte zumindest die Jacke auch noch sein, da sie ja die meste Zeit im Rucksack herumgetragen wird.

Zu beachten ist auch, dass sie eine sog. Dreikordelzug-Kapuze haben sollte. Hier lässt sich die Größe der Kapuze und die Größe des Gesichtsausschnitts einstellen – sehr nützlich bei Wind.

Bei einer Hose ist das Nasswerden nicht ganz so kritisch. Viele frieren an den Beinen nicht so schnell, so dass eine angenehmer auf der Haut zu tragende wasserabweisende und schnell trocknende Softshell oft reicht. Wichtig bei der Hose ist, dass sie für den Wärmehaushalt abzippbare Beine hat und sich so unkompliziert zur kurzen Hose umwandeln lässt. Am besten ein sog. T-Reißverschluss, der längs und quer über das Hosenbein läuft, so dass man die Schuhe beim Abtrennen anlassen kann. Wenn es jedoch in regenreiche Regionen geht, sollte eine überziehbare Hardshell Hose auf die Packliste, um das Schichtsystem auch an den Beinen zu vervollständigen.

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