
Die Wanderung führt vom S-Bahnhof Wannsee rings um die Wannsee-Insel. Meist auf Uferweg geht es an Highlights wie Glienicker Brücke und Pfaueninsel vorbei.
Inhalt
Die Wannsee-Insel-Wanderung habe ich so ein bisschen aus Trotz gemacht. Denn die heutige Situation auf der Insel ist nicht wirklich auf Wandernde ausgelegt. Ich finde aber, dass ein solcher Naturschatz im Berliner Stadtgebiet auch uns Fußläufigen zu eigen sein sollte. Zwar sind große Abschnitte der Insel Bestandteile anderer Touren von mir wie der Berliner Pracht Radtour und der Potsdam-Wannsee-Wanderung. Ich habe ihrer Schönheit aber noch keine eigenständige Tour gewidmet.
Also habe ich jetzt eine Route entwickelt, die zumindest überwiegend aus tollen Uferwegen besteht und reichlich Wandergenuss bietet. Der Kompromiss ist, dass du sowohl am Anfang als auch am Ende der Rundtour sowie in Klein-Glienicke durch Siedlungsgebiet musst. Außerdem teilst du dir in der Nordhälfte den Weg mit Radlern.
Dennoch kannst du etwa 80 Prozent der Strecke auf Naturwegen zurücklegen und die Tour führt fast komplett auf Uferwegen direkt am Wasser entlang. So passierst du unter anderem den Großen und Kleinen Wannsee, Griebnitzsee, Teltowkanal, Havel und Pfaueninsel.
Außerdem wirst du unterwegs mit reichlich geschichtsträchtigen Highlights belohnt, von denen du einige für Abstecher oder auch Zwischenaufenthalte nutzen kannst, wie zum Beispiel: Kleistgrab, Glienicker Brücke, Jagdschloss Glienicke, Schloss und Schlossgarten Glienicke, Heilandskirche Sacrow, Schloss Pfaueninsel, Liebermann-Villa.
Denn eines hat sie, die Wannsee-Insel: Eine lange und ereignisreiche Geschichte. Und die beginnt in der Eiszeit. Hier öffnet sich das von Gletschern geformte Tal der Grunewaldseenkette zur riesigen Bucht des Großen Wannsees. Westlich davon ist beim Abschmelzen der Gletscher eine riesige Moränenzone entstanden, wodurch sich die hügelige Beschaffenheit zu einem großen Teil erklären lässt. Diese eroberte sich später der Düppeler Forst mit seinem dichten Baumbestand.
In der Preußischen Zeit fand die wichtigste Besiedlung des Gebietes statt mit Gutsanlagen in Klein Glienicke und der Villenkolonie Alsen am Westufer des Großen Wannsees. Auch die heutige Königstraße wurde in Preußen angelegt, die das Gebiet für den Verkehr erschließt und die Wannsee-Insel mittig teilt. Die eigentliche Insel entstand jedoch erst später künstlich durch den Bau des Teltowkanals Anfang des 20. Jahrhunderts. Er machte das Gebiet nun auch schiffbar und es entwickelte sich endgültig zu einem bedeutenden Standort zwischen Potsdam und Berlin.
Durch die deutsche Teilung bekam so ziemlich jeder Westberliner einen Bezug zur Wannsee-Insel. Denn sie wurde zu einem der wenigen Naherholungsgebiete und der weite Blick an der Glienicker Brücke vermittelte etwas von der Freiheit, die Westberliner ja eigentlich auch hatten, obwohl sie von der Mauer umschlossen waren. Nur kostete es über die Transitstrecken eben fast eine Tagesreise.
Allerdings ist bis heute kaum jemandem bekannt, dass du dich hier eben faktisch auf einer Insel befindest. Ein Grund mehr für meine Wannsee-Insel-Wanderung, denn sie vermittelt dir das Insel-Feeling ziemlich gut. Allein schon weil du am Ende wieder am Startpunkt landest und zwischendurch überwiegend aufs Wasser schaust.
Dauer und Schwierigkeitsgrad
Meine Wannsee-Insel-Wanderung umfasst gut 19 Kilometer. Dafür solltest du etwa 4:30 Stunden Gehzeit einplanen. Das lässt sich beliebig erweitern durch Besuch der Sehenswürdigkeiten am Weg, Einkehrmöglichkeiten und nicht zuletzt mehrere geniale Badestellen.
Du gehst überwiegend auf Naturwegen und zu einem kleinen Teil auf Asphalt. Die Wege sind fast eben und in sehr gutem Zustand. Unterwegs sind einige Treppen zu passieren. Fast die gesamte Strecke gehört zum Europäischen Fernwanderweg E11 (Hauptweg am Griebnitzsee entlang und Variante an der Pfaueninsel entlang) und die Osthälfte ist Teil des Berliner Mauerwegs. Dementsprechend wird rege in die Instandhaltung investiert.
Start und Ziel

Die Wannsee-Insel-Wanderung ist eine Rundtour, sodass sie am selben Punkt startet und endet: Dem Bahnhof Wannsee (S1, S7, diverse Regionalzüge und Intercity-Züge).
Tourenbericht
Für meine Wannsee-Insel-Wanderung hatte ich mir einen wunderschönen sonnigen Novembertag ausgesucht. Im Bahnhof nahm ich den Ausgang, der direkt über den Wannsee-Hafen führt. Dieser hat eine ziemlich überfällige Neugestaltung erfahren und die Bauarbeiten lagen gerade in den letzten Zügen. Ich nahm die Treppen beim Borussia-Monument zum Hafen hinab (Fähre F10 nach Kladow). Hier begrüßte mich das Mauerweg-Zeichen, obwohl die Berliner Mauer selbstverständlich nicht am Wannsee verlief. Die Fährverbindung wird aber als Lückenschluss zur unterbrechungsfreien Passierbarkeit des Weges genutzt.

Gerade war der Uferweg noch nicht ganz fertig, aber hier kannst du zumindest bald immer am Wasser entlang durch eine kleine Parkanlage gehen. Der Weg führt unter der Wannseebrücke hindurch zu einem kleinen Hafen. Die Brücke wäre ja das Verbindungsstück auf die Wannsee-Insel. Da sich aber das Ufer der gesamten Bebauung des Berliner Ortsteils Wannsee in privater Hand befindet, wäre es recht freudlos, nördlich des Kleinen Wannsees entlang zu gehen. Das Südufer ist dann wenigstens im letzten Drittel frei. Erst einmal musste ich jetzt aber auch hier eine langweilige Straße runter, die immerhin am kleinen Park mit dem Kleistgrab einmal einen schönen Wasserblick gewährt.
Nach ein paar Hundert Metern hatte ich endlich das Ende der Straße erreicht und konnte schräg über einen Waldweg ans Ufer beim Kleinen Wannsee gelangen. Hier befinden sich ein paar schöne Badebuchten und der Blick wird immer wieder freigegeben auf die Luxusanwesen der Wannsee-Insel am anderen Ufer. Gleich darauf erreichte ich den Pohlesee, der einen noch weiteren Blick bietet bis zum Schäferberg mit seinem Fernmeldeturm.

Der Uferweg führt hier auch sehr schön über Waldwege, und so ging es am Griebnitzkanal entlang weiter bis zur Alsenbrücke. Hier musste ich über die Straße und ein ganz kurzes Stück durch Siedlung, doch ein etwas unscheinbarer Trampelpfad führte mich direkt wieder in den Wald hinein an den letzten Grundstücken vorbei. Auf einer kleinen Anhöhe passierte ich den Stölpchensee und ging oberhalb des Prinz-Friedrich-Leopold-Kanals weiter. Hier herrscht immer reger Bootsverkehr.

Nun führte mich die Hubertusbrücke auf die Wannsee-Insel, sodass die Tour ab jetzt ihrem Namen vollständig gerecht wurde. Hier stößt die Route auf den E11 und es gibt ein Restaurant mit Biergarten (Einkehrmöglichkeit Ciao Wannsee). Leider kann man dadurch aber erst mal nicht direkt am Ufer weiter gehen. Also folgte ich der Straße, bis diese in einen Waldweg übergeht, und dann war ich alsbald wieder am Ufer.

Das nächste Teilstück führte mich ganz wunderbar durch lichten Herbstwald den Griebnitzsee entlang. Ein paar Buchten laden hier zum Verweilen und im Sommer zum Baden ein. Am gegenüberliegenden Ufer kannst du dir ein weiteres Mal ein Bild vom Besitzstand der Superreichen machen. In den wunderschönen Villen teils im Kolonialstil, teils in futuristischer Architektur, residierten und residieren Filmstars der nahegelegenen Studios Babelsberg, intellektuelle Größen und bekannte Unternehmer.
Als ich Klein-Glienicke erreichte, hieß es dann wieder ein kurzes Stück durch Siedlung gehen. Auch hier ist das Ufer fest in privater Hand und du kannst es nur im höchsterlich empfehlenswerten Wartmanns Café (Einkehrmöglichkeit) bei hervorragendem Gebäck und Eis genießen.

Wenigstens musste ich nur kurz auf die Straße und konnte anschließend auf dem Erdweg neben dem Bäkegraben bis zum Jagdschloss Glienicke gelangen. Das Schloss wird als private Bildungsstätte genutzt und ist nicht zugänglich, aber wenn du genau schaust siehst du an einem Tor einen Zettel, dass du hier in den Park kommst. Dann führt dich ein schöner Weg an der Schlossanlage vorbei zum Ufer.
Es folgte ein weiterer unglaublich schöner Abschnitt den Glienicker See entlang. Im Verlauf genießt du Ausblicke auf das 2016 frisch renovierte Schloss Babelsberg, die Potsdamer Skyline und schließlich die Glienicker Brücke – nur echt mit dem Lack in zwei unterschiedlichen Farben auf der ehemals ostdeutschen und westdeutschen Hälfte.

Vor der Glienicker Brücke befindet sich ein Gatter, das aber nicht verschlossen ist. Nun ging es immer am Wasser weiter unter der Brücke durch und am Schloss und Schlossgarten Glienicke vorbei. Hier wird der Weg jetzt recht breit und du musst dich damit abfinden, dass von nun an ab und zu Rentner an dir vorbei radeln. Der Weg ist aber sonst ganz nett zu gehen und geleitete mich bis zum Aussichtspunkt am Krughorn, wo du die Heilandskirche Sacrow im kunstvollen italienischen Stil mit freistehendem Campanile am anderen Ufer bewundern kannst.
In der dahinter liegenden scharfen befindet sich das urige Wirtshaus Moorlake (Einkehrmöglichkeit). Danach eröffnete sich alsbald schon das Panorama auf das nächste Highlight: Die Pfaueninsel mit dem gleichnamigen frisch rekonstruierten Schloss. Solltest du tatsächlich noch nie die Insel mit den frei lebenden Pfauen besucht haben, wäre das jetzt dringend zu empfehlen und du kannst dich die wenigen Meter mit der Fähre übersetzen lassen. Von den geschätzten Millionen, die mit dieser Fähre eingenommen worden sind, könnte man vielleicht einfach mal eine Brücke errichten. Bei der Fähe befindet sich als Einkehrmöglichkeit das Wirtshaus zur Pfaueninsel, ich rate jedoch dringend von einem Besuch ab (Service, Preis-Leistung …).

Immer aufs Neue verzaubert bin ich vom Blick an der Anlegestelle Pfaueninsel in Richtung Wannsee. Also nicht bei der Fähre, die zur Insel übersetzt, sondern östlich davon. Dort befindet sich auch der einzige Anschluss zu öffentlichen Verkehrsmitteln auf der Wannsee-Insel-Wanderung, und auch nur einmal die Stunde (Bus 218).
Nach der Haltestellte zweigte ich links auf den schönen Waldweg ab, der jetzt zum Abschluss der Wannsee-Insel-Wanderung nacheinander zu den drei genialsten Badestellen Berlins führt: den Badestellen Pfaueninsel, Alter Hof und Großes Tiefenhorn. Natürlich alle drei keine Geheimtipps, sind sie trotz ihrer enormen Attraktivität aufgrund der komplizierten Erreichbarkeit immer erträglich gefüllt.

Zum krönenden Abschluss beging ich am Heckeshorn den kleinen Steg und genoss den weiten Blick über die Wannsee-Bucht bis hinüber zum kürzlich neugestalteten, aber immer noch für mich sehr vermeidbaren Strandbad Wannsee. Nun ging es ein kleines Stück hinauf, wo der Flensburger Löwe thront und eine Terrasse nochmals den Blick über den Großen Wannsee offeriert (Einkehrmöglichkeiten Bootshaus Bolle und Haus Sanssouci). Die eigentlich sehr schöne Szenerie mit der riesigen Löwenstatue wird eingetrübt durch einen schrammligen Imbiss mit Fettgeruch.
Die letzten Kilomter sind jetzt nicht mehr besonders reizvoll. Du kannst den immer im Kreis fahrenden Bus 114 zurück zum Bahnhof nehmen. Wenn du aber wie ich die Wannsee-Insel-Wanderung zum Ende bringen willst, geht es jetzt auf der Straße weiter mit seltenen Blicken über das Wasser. Dabei warten noch zwei geschichtsträchtige Orte auf: Das Haus der Wannsee-Konferenz mit frei zugänglichem Garten, und die ganz zauberhafte Liebermann-Villa mit kleiner Kunstausstellung.
Es blieb noch die verkehrsstarke Wannsee-Brücke zu queren, wo ich die Wannsee-Insel wieder verließ. Direkt dahinter geht es dann wenigstens wieder in die Parkanlage vom Anfang der Tour hinein, die dich bis fast zum Bahnhof Wannsee zurück führt.