Haglöfs L.I.M. GTX Shakedry Hood Jacke im Test

Haglöfs L.I.M. GTX Shakedry Hood Vorderseite
Haglöfs L.I.M. GTX Shakedry Hood Vorderseite © gipfelwelt.net

Die Haglöfs L.I.M. GTX Shakedry Hood ist eine ultraleichte, wasserdichte und wärmende Jacke mit minimalistischer Ausstattung. Wie macht sie sich im Schnee?

Mit dieser ultraleichten Jacke will Haglöfs offenbar vor allem Skitourengeher ansprechen. Genauso ist die Jacke sicherlich für jede Art von Winterwandern und Winterbergsteigen interessant. Der sehr sportive Look unterstreicht diese Zielgruppe.

Das geringe Gewicht kann allerdings nur durch eine absolut minimalistische Ausstattung erreicht werden, die gewisse Einschränkungen mit sich bringt. Von dem her war ich gespannt, ob das beim Einsatz mit Einbußen einher geht, oder ob sie doch noch als vollwertige Winterjacke mithalten kann.

Wintersportgerechte Ausstattung

Gerade mal knapp 400 Gramm/Größe M machen diese Jacke als wärmend gefütterte Wintersportjacke zu einem Ultraleicht-Trekking-Produkt.

Zunächst bietet die Ausstattung alles Notwendige. Die Kapuze lässt sich an den Seiten sowie an der Rückseite in der Größe anpassen. Sie wird nicht als helmtauglich beworben. Allerdings ist sie so groß, dass dein Skihelm oder Kletterhelm mit ein bisschen Glück darunter passen sollte.

Für den Wintersport passend ist sie auch mit einem RECCO-Reflektor am Kapuzenschirm ausgestattet.

Der Schnitt fällt körpernah aus, was mir sehr gut gefällt, da das bei Winterjacken eher selten der Fall ist. Es bleibt dennoch genug Platz für eine weitere Isolationsschicht darunter.

Wenn es sehr windet, kannst du mit dem Kordelzug am Saum verhindern, dass es von unten rein bläst.

Mit Taschen ist die Jacke nur rudimentär ausgestattet. Zwei Außentaschen mit Reißverschluss und eine Brunstinnentasche aus leider ohne sichernden Reißverschluss sind alles. Wenigstens eine vernünftige Innentasche wäre noch gut gewesen. Die Innentasche ist zwar so groß geschnitten, dass kaum was rausfallen sollte. Dennoch möchte ich das Risiko nicht eingehen, bei einem Sturz oder so mein Hab und Gut zu verlieren, und nutze daher nur die Außentaschen.

Haglöfs L.I.M. GTX Shakedry Hood Rückseite
Haglöfs L.I.M. GTX Shakedry Hood Rückseite © gipfelwelt.net

Für ein zusätzliches Plus an Atmungsaktivität und Flexibilität sorgt ein dehnbarer, ungefütterter Einsatz am Rücken. Also an der Körperstelle, wo man mit am stärksten schwitzt. Für den Gebrauch beim Sport mag das einen Vorteil bringen. Dieser Einsatz sieht allerdings schon ein bisschen komisch aus.

An den Ärmelabschlüssen findest du minimalistische Klettverschlüsse. Sie reichen aber vollkommen aus, um die Ärmel dicht über den Handschuhen festzuzurren, sodass keine Kälte reinkommt.

Haglöfs L.I.M. GTX Shakedry Hood Armabschluss
Haglöfs L.I.M. GTX Shakedry Hood Armabschluss © gipfelwelt.net

Wasserdicht mit Gore-Tex Shakedry

Ein Faktor, der die Jacke so leicht macht, ist die Verwendung von Gore-Tex Shakedry. Diese relativ neue Weiterentwicklung der wasserdichten Gore-Tex-Membran kommt komplett ohne Außenlage aus, die Membran wird also selbst zum Textil. Neben der etwas speziellen Optik bedeutet das auch eine eingeschränkte Robustheit. Du solltest mit einer solchen Jacke keine schweren Rucksäcke tragen, und den Kontakt mit der Skikante dürfte sie auch eher nicht unbeschadet überstehen. Das ist also auf jeden Fall eine gewisse Einschränkung, wenn du dich draußen austoben willst.

QuadFusion spendet Wärme – bei Bewegung

Besonders gewichtsparend wirkt sich außerdem das Futtermaterial aus. Es kommt das hauseigene QuadFusion von Haglöfs zum Einsatz mit üppigen 98 g/m². Das verspricht genug Wäre bis in den Minusbereich hinein. Verwendet wird eine offene Highloft-Konstruktion wie bei Polartec Alpha, die next to skin ohne Innenlage getragen wird und damit eine Innenlage verzichtbar macht. Während eine gewöhnliche Winterjacke also aus vier Lagen besteht, reichen für diese Jacke zwei Lagen.

Haglöfs L.I.M. GTX Shakedry Hood Innenfutter
Haglöfs L.I.M. GTX Shakedry Hood Innenfutter © gipfelwelt.net

Allerdings ist die Gestaltung der Jacke auf Bewegung ausgelegt. Die Unterarme, die Kapuze und der Rückenbereich zwischen den Schultern (wo man besonders viel schwitzt) haben kein Futtermaterial.

Schon geringe Bewegungsintensität bringt das QuadFusion-Futter in Schwung. Der Isolationseffekt entsteht nicht wie bei gängigen Futtermaterialien durch Masse, sondern indem erzeugte Wärme ausgezeichnet am Körper gehalten wird. Dafür muss sie aber eben erst mal erzeugt werden. Doch schon bei leicher Bewegung spürst du förmlich das warme Flirren um dich herum.

Diese Art Isolationsmaterialien hat neben der Gewichtsersparnis noch eine Reihe anderer Vorteile. So etwas wie Hitzestau gibt es hier nicht, das hauchdünne Material gibt die Wärme sofort ab, wenn du es willst, indem du die Jacke öffnest. Da umschließt dich nichts Schwitziges und du wirst nicht von der Watte einer Standardfüllung fest umschlossen. Wenn du aufgrund hoher Bewegungsintensität ins Schwitzen kommst, gibt die lockere Waffelstruktur des Futters die Feuchtigkeit sofort ab und es sammelt sich kein Schweiß. So bleibst du in der Jacke trocken und warm.

Die Atmungsaktivität steht also ganz im Vordergrund dieses Isolationsmaterials. Nur eben wenn du dich nicht bewegst oder bewegt hast, dann wird dir auch nicht wirklich warm. Polartec Alpha finde ich was das Wärmen in Ruhesituationen angeht besser, aber QuadFusion ist bei der neuen Generation offener Highloft-Isolationsmaterialien auf jeden Fall auch vorn mit dabei. Vielleicht hätte man gerade in Anbetracht des extrem geringen Gewichts und der hohen Atmungsaktivität dieser QuadFusion-Variante nicht ganz so radikal sparen sollen beim Futter und es auch in der Kapuze und in den Armen platzieren.

Die Haglöfs L.I.M. GTX Shakedry als Skijacke

Jetzt wollte ich es wissen und habe die Jacke dieser Tage beim Ski fahren ausprobiert. Die spannendste Frage war für mich: Würde das reduzierte Futter mich in Kälte erstarren lassen, wenn ich auf dem Berggipfel aus der Gondel steige und den Hang hinab sause, oder im Sessellift sitze? Das ist tatsächlich überhaupt nicht der Fall. Natürlich solltest du spätestens ab etwa fünf Grad und weniger schon eine weitere Isolationsschicht darunter tragen, aber das machst du ja wahrscheinlich bei jeder Skijacke.

Bis in den leichten Minusbereich hinein reicht diese Jacke aus in Kombination mit meiner Isolationsjacke (60 g/m2 Fütterung), die ich zum Bergsteigen verwende. Wenn es noch kälter ist, trage ich eine andere Isoliationsjacke mit 80 g/m2 Fütterung. (Fahrt-)Wind hält sie also ganz prima stand.

Ebenfalls von Vorteil gerade beim Ski fahren ist die Tatsache, das Wärme bei Bedarf schnell abgegeben wird. Schließlich wechselst du ja ständig zwischen Innenräumen und draußen. Während mir da manchal in der Gondel die Soße lief von den ganzen gefütterten Klamotten, mache ich hier einfach den Reißverschluss ein bisschen auf und gut ist.

Besonders gut zum Ski fahren finde ich den körpernahen Schnitt in der Kombi mit dem geringen Gewicht. Das bringt nicht nur eine hohe Bewegungsfreiheit mit sich, sondern auch der Luftwiderstand ist geringer als mit den plustrigen Jacken, die viele tragen, und ich kann schnittiger den Hang runter sausen.

Einzig die eingeschränkte Robustheit ist etwas fraglich beim Einsatz auf der Piste. Wenn es da mal zu einem Sturz kommt, oder die Skier beim Tragen mit der Jacke in Kontakt kommen, weiß ich nicht, ob sie das übersteht.

Aber die Vorteile überzeugen mich so sehr, dass ich meine “normale” wattierte Skijacke gar nicht mehr anziehen mag.

Raffaele ist Autor der Gipfelwelt. Passonierter Bergwanderer, Tourengeher, Ultraleicht-Trekking-Fan, Ausrüstungs- und Bekleidungstester.
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