ViewRanger: Tourenplanung und GPS-Navigation

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ViewRanger Startseite © gipfelwelt.net

Die App ViewRanger bietet umfangreiche kostenlose Funktionen für die GPS-Navigation und lässt sich auf allen Endgeräten nutzen: PC, Smartwatch, Smartphone.

Nach einem Unfall im letzten Sommer, der auf Wegverlust aufgrund von Schneeverwehungen zurückzuführen war, bin ich endlich in die GPS-Navigation eingestiegen und habe mich damit von Papierkarten verabschiedet. Ich nutze für die Navigation derzeit meine Smartwatch TicWatch Pro und mein Smartphone Galaxy S8. Damit mir unterwegs nicht so schnell der Saft ausgeht, habe ich eine 10.000er Powerbank dabei.

Als Programm für die Erstellung von Routen, Aufzeichnung von Tracks und vor allem natürlich die Live-Navigation hat mich ViewRanger überzeugt. Das Projekt wurde 2006 von der britischen Firma Augmentra gestartet.

Plattformunabhängig und geräteübergreifend

Das erste Argument ist die plattformunabhängige und geräteübergreifende Anwendung, sowohl browserbasiert als auch über gerätespezifische Apps. Um ViewRanger nutzen zu können, benötigst du einen Account, der in den umfangreichen Grundfunktionen kostenlos ist. Mit deinen Login-Daten kannst du dann über alle Endgeräte auf deine Tracks und Routen zugreifen und sie auch zur Offline-Nutzung herunterladen.

So lassen sich die Routen bequem am PC mit einem großen Bildschirm erstellen. Die Apps geben die Inhalte deines Accounts gerätegerecht wieder. Sie gibt es derzeit für Androidgeräte und Smartwatches mit dem androidbasierten WearOS, für iOS-Geräte und die Apple Watch, und für Amazon Kindle-eReader. Natürlich wäre toll, wenn sie bald auch für andere eReader wie meinen tolino käme.

Umfangreiches kostenloses Kartenmaterial

Das zweite Argument für ViewRanger ist das im Gegensatz zu den meisten anderen Anbietern vollständig kostenfreie Kartenmaterial, das auf Open Source-Projekten und den verschiedenen Versionen von Google Maps basiert. Dazu lassen sich je nach Bedarf Topo-Karten der Bergverlage für jede beliebige Region kaufen, was aber nur selten notwendig sein dürfte.

Für die Offline-Nutzung lassen sich derzeit das hauseigene ViewRanger Landscape (basierend auf Open Street Map), Google Sattelite und OpenCycleMap verwenden. Bei der Erstellung von Routen kannst du zwischen weiteren Ansichten wählen, wie zum Beispiel Open Street Map oder Google Hybrid.

Routen erstellen und Karten offline nutzen

ViewRanger Editor
ViewRanger Editor © gipfelwelt.net

Du kannst dir auf dem jeweiligen Endgerät einen Kartenausschnitt deiner Wahl zur Offline-Nutzung herunterladen. Dies geht mit oder ohne Route. Das GPS-Signal wird dir immer einigermaßen genau sagen können, wo du gerade bist. Das einzige Limit für die Größe des Kartenausschnitts ist der Speicher deines Gerätes.

Wenn du einer vorab festgelegten Route folgen willst, so ist der erste Schritt einer Tourenplanung, die entsprechende Route in ViewRanger zu erstellen. Natürlich kannst du auch die fertige Route eines anderen Wanderers oder eines Bergverlags in deine Account importieren.

Wenn du die Route selbst erstellst, wählst du in deinem Account unter “Routen und Tracks” den Menüpunkt “Route im Editor erstellen”. Du kannst beim Erstellen zwischen verschiedenen Karten wechseln. Ich finde das hauseigene “ViewRanger Landscape” ziemlich gut, allerdings fehlen manchmal Bezeichnungen, etwa von Gewässern. Auch bei Gebäuden fällt es oft dünn aus (Parkplätze, Busstationen, Unterkünfte …). Da kannst du dann zwischendurch mal zu dem detailreichen Open Street Map oder dem normalen Google Maps wechseln. Google Physical finde ich auch klasse, das stellt grafisch die landschaftliche Beschaffenheit dar.

Nun setzt du auf den offiziellen Wanderwegen Wegpunkte und gehst so virtuell die ganze Strecke ab. Das ist recht kleinteilig und gerade am Anfang zeitaufwändig, bis man etwas Routine hat. Je genauer du vorgehst, desto zuverlässiger wird nacher die GPS-Navigation funktionieren. Mit der angebotenen automatischen Routenerstellung komme ich gar nicht zurecht. Ich hoffe, mit dem bald verfügbaren “AutoPlot” wird das schneller gehen.

Wenn du dieselbe Strecke zurückgehst, kannst du mit “Route umkehren” den Rückweg anlegen. Das ist auch sehr empfehlenswert, zwei Routen zu verwenden, da sonst das GPS manchmal durcheinander kommt und die Navigation zwischen Hin- und Rückweg hin und herspringt.

ViewRanger Routenvorschau
ViewRanger Routenvorschau © gipfelwelt.net

Super finde ich die Routenvorschau. Hier kriegst du die genaue Distanz und ein Höhenprofil von erstellten Routen.

Alle Routen in deinem Account kannst du auf dem jeweilgen Endgerät zur Offline-Nutzung herunterladen. Wie es mit der Live-Navigation klappt, habe ich im Testbericht meiner TicWatch Smartwatch beschrieben.

ViewRanger Premium-Funktionen

Definitiv eine gute Idee, aber nicht notwendig, ist es, für gerade mal 4,99 Euro/Jahr die Premium-Funktionen freizuschalten.

  • Der wichtigste Vorteil ist, dass du dann unbegrenzt Offline-Karten auf deinen Geräten speichern kannst.
  • Die für iOS bereits verfügbare “AutoPlot”-Funktion wird laut Ankündigung auch bald für Android verfügbar sein. Sie klingt sehr vielversprechend, da sie die Routenerstellung zwischen definierten Wegpunkten automatisiert und damit arg beschleunigt.

Ansonsten gibt es noch ein paar weitere Features, die derzeit eher als Spielerei gelten dürften. Doch vor allem die Augmented Reality-Anwendungen werden in naher Zukunft sicher eine sehr bedeutende Rolle spielen:

  • Die mächtige Augmented Reality-Funktion “Skyline” ermöglicht, über die Kamera deines Gerätes in der realen Landschaft zu navigieren. Auch kannst du mit ihr Berggipfel, Seen und Orte identifizeren.
  • Wenn du Tracks aufzeichnest, kannst du live Fotos hinzufügen.
  • Bei bestehender Datenverbindung kannst du über “Buddy Beacon” deinen Standort mit Mitwanderern teilen.
  • Tracks und Routen lassen sich als 3D-Simulation ansehen.

Es ist möglich, ein Premium-Abo mit einem Karten-Abo für (bislang noch nicht so viele) einzelne Länder zu kombinieren. So hat man da immer die aktuellen Karten der Bergverlage zur Verfügung. Da die kostenlosen Karten allerdings hervorragende Dienste leisten, ist das nicht wirklich erforderlich.

Die ViewRanger-Community

Gerade für Blogger interessant ist die weltweite Community, der du mit deinem ViewRanger-Account beitreten kannst – wenn du es möchtest. Du kannst dein Profil dann (teilweise) öffentlich machen und entscheiden, welche Tracks und Routen du kostenlos oder auch gegen Geld zur Verfügung stellen möchstest. Wenn jemand in einer Region nach Routen sucht, werden ihm dann deine Routen angezeigt.

Umgekehrt findest du für die Tourenplanung weltweite Inspirationen. Viele Routen werden nicht nur von Wanderern, sondern auch etwa von Tourismusverbänden, unter “Routen finden” kostenfrei zur Verfügung gestellt und du kannst die GPS-Tracks in dein Nutzerkonto laden, um sie für die Navigation zu nutzen. Daneben findest du Angebote von kommerziellen Anbietern wie dem Bergverlag Rother. Ein Vorteil ist, dass du nicht komplette Wanderführer kaufen musst, sondern einzelne Routen erwerben kannst. Wenn du dir schon einen Rother-Führer gekauft hast, kannst du dir die Routen mit den GPS-Tracks mit einem im Buch zur Verfügung gestellten Passwort ohne Extrakosten herunterladen.

Alle deine Routen kannst du in deine Webseite einbinden, indem du auf “Mein Profil” gehst und dort “Alle Routen auf einer Karte anzeigen” auswählst. Unter der Karte findest du den Code dafür.

Du kannst natürlich auch nur eine einzelne Route einbinden, so wie ich es bei meinen Tourenbeschreibungen mache. Der Code dafür versteckt sich ganz rechts oben im Teilen-Menü bei der Routenvorschau.

Kritikpunkte

Ich bin bislang sehr begeistert von ViewRanger und die Navigation mit oder ohne vordefinierte Routen funktioniert sehr gut, sodass ich Papierkarten kein bisschen vermisse. Natürlich gibt es auch immer was zu meckern. Das Design und die Usability sind denke ich etwas in den Anfangsjahren stecken geblieben. Routen mit dem Handy erstellen kriege ich beispielsweise nicht hin. Auch sind die Funktionen, um die Live-Navigation zu pausieren und zu beenden, ziemlich versteckt. Die Community finde ich sehr unübersichtlich, man kann auch nicht nach bestimmten Anbietern von Kartenmaterial suchen, sondern nur indem man direkt durch die Übersichtskarte scrollt.

Der extreme Funktionsumfang der App ist zwar großartig, macht es aber manchmal schwer, durchzublicken. Teilweise gibt es Doppelstrukturen in der Navigation, und die Benutzeroberflächen zwischen den verschiedenen Apps und dem Browserzugriff weichen sehr voneinander ab, sodass eine gewisse Einarbeitungszeit erforderlich ist. Hier hilft zumindest der große Supportbereich mit Manuals und Video-Tutorials. Für die Weiterentwicklung der App wäre vielleicht “Verschlankung” eine gute Devise.

Raffaele ist Autor der Gipfelwelt. Passonierter Bergwanderer, Tourengeher, Ultraleicht-Trekking-Fan, Ausrüstungs- und Bekleidungstester.
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