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Was mich an Kreditkarten nervt

Es gibt ziemlich viel, was mich an Kreditkarten nervt
Es gibt ziemlich viel, was mich an Kreditkarten nervt © Pixabay/Yedidia Klein

Für Reisen sind sie unverzichtbar als Zahlungsmittel und Bargeldbezug. Doch eine gute Karte zu finden, ist ziemlich schwierig. Was mich an Kreditkarten nervt.

Ab und zu jammere auch ich gern rum, und so habe ich mich hier schon ausgiebig dazu ausgelassen, was mich an den Webseiten von Outdoor-Marken nervt und was mich an Autovermietungen nervt. Wenn es um Reisethemen geht, gibt es eine weitere Sache, die mich unglaublich nervt und um die man nicht herum kommt: Kreditkarten.

Eine Kreditkarte ist das wohl wichtigste Zahlungsmittel im Alltag und erst recht auf Reisen. Mit ihr soll das verlässliche bargeldlose Bezahlen möglich sein, Kautionen für Mietwagen und Unterkünfte zu hinterlegen, und dort wo es nicht anders geht Bargeld vom Geldautomaten abzuheben. Das sollte dann im Inland wie im Ausland gleichermaßen funktionieren. Doch statt verlässlicher Basisfunktionen gibt es vor allem komplexe und intransparente Produkte.

Es hilft aber nichts, denn ohne Kreditkarte zu reisen ist schwierig bis unmöglich. Ich habe mich mittlerweile für eine Premium-Kreditkarte entschieden und verrate dir weiter unten wieso, auch wenn sie kostenpflichtig sind und selbst diese leider nicht immer die Zahlungsfähigkeit garantieren. Aber immerhin schließen sie ein paar gravierende Nachteile gängier Kreditkarten aus.

Des erste, was mich an Kreditkarten nervt: Dass es sie überhaupt gibt!

Relativ früh in unserem Leben eröffnen wir unser erstes Girokonto. Es ist unser Einstieg in die Finanzwelt, wir können nun Zahlungen erhalten und versenden. Das wäre ja theoretisch auch alles, was wir für die Teilhabe am Wirtschaftsleben bräuchten. Doch die Bankkarte, die wir für unser Girokonto erhalten, die Girocard, ist von ihrer Grundfunktion extrem limitiert und für Reisende nutzlos. Bezahlen und Geld abheben funktioniert nämlich nur in Deutschland, und Kautionen hinterlegen geht nicht. Die meisten nennen die Girocard noch „EC-Karte“, wie sie bis 2007 hieß. Ihr Vorgänger war nämlich das „electronic cash“-Verfahren, das wiederum Nachfolger der „Eurocheque“-Karte aus den 1960er-Jahren war. Somit ist „EC“ immer noch fest in den Köpfen der Deutschen verwurzelt, was das Ganze nicht besser macht.

Damit man mit der Girocard auch im Ausland was anfangen kann, wurde sie mit Funktionen der Kreditkartenfirmen kombiniert (Maestro von Mastercard und VPay oder Visa Electron von Visa). Diese werden jedoch eingestellt, weil die Firmen ihre eigenen Kreditkarten unters Volk bringen wollen, für die sie höhere Gebühren beim Bezahlen verlangen können.

Somit haben es die Banken bislang nicht geschafft, eine direkt an das Girokonto gekoppelte Bankkarte herauszugeben, die notwendige Basisfunktionen erfüllt. Stattdessen muss mit einer Kreditkartenfirma eine weitere Institution zwischengeschaltet werden, die somit auch sensible Informationen über dein Kaufverhalten bekommt. Und für deine finanzielle Handlungsfähigkeit bist du nicht nur von einer, sondern von zwei Institutionen abhängig.

Im Falle der Kreditkarte wollen die Banken in Europa jetzt mit dem Bestreben einer einheitlichen Bankkarte für den SEPA-Raum die Kunden wieder gewinnen. Wird bestimmt reißenden Absatz finden, wenn sie dann in so 15 Jahren auf den Markt kommt, allein schon weil eine nur in Europa einsetzbare Karte enorm viel Sinn macht. Nicht.

Institutions-Wirrwar: Banken, Startups, Techgiganten

Das Versagen der Banken beim Einführen einer nützlichen Bankkarte reiht sich ein in das Versagen bei so ziemlich jeder Innovation im Finanzbereich. Beispielsweise bei den internationalen Geldtransfers außerhalb des europäischen Zahlungsraums (SEPA), dann bei Echtzeitüberweisungen, später bei Online-Bezahlsystemen oder jetzt beim mobilen Bezahlen. Bei allen haben ihnen neue Dienstleister wie Moneygram (analoger Gelddtransfer in Echtzeit), Paypal (virtueller Geldtransfer in Echtzeit), Klarna (Online-Bezahlen und Rechnungskauf), Apple Pay und Google Pay (mobiles Bezahlen mit Smartphone und Smartwatch) das Wasser abgegraben. In den letzten Jahrzehnten waren das in der Regel Startups, und wenn die sich etabliert hatten und zu börsennotierten Unternehmen aufgestiegen waren, versuchten die Banken mit wirren Produkten sich das Geschäftsfeld erfolglos zurückzuholen.

Damit kommen wir zum nächsten Punkt, was mich an Kreditkarten nervt: Für dich als Girokontobesitzer bedeutet das, dass du erst mal eine Kreditkarte bei einem der drei Monopolisten Visa, Mastercard oder Amex brauchst. Diese wird mit deinem Girokonto bei deiner Hausbank verknüpft. Du kannst aber keine Karte direkt bei der Kreditkartenfirma bestellen, sondern nur über Kooperationspartner. Und dann musst du deine Kreditkarten-Daten noch bei den ganzen Dienstleistern hinterlegen und brauchst überall einen Account. Somit hält eine große Anzahl Unternehmen mit teils fragwürdigen Datenschutzbestimmungen und Firmensitzen rund um den Globus Informationen über deine Käufe und Umsätze.

Das bringt das nächste Problem mit sich, was mich an Kreditkarten nervt: Wenn sich deine Kartendaten ändern, ist es extrem aufwendig, diese überall zu aktualisieren, und es passiert ständig, dass Zahlungen deswegen zurückgewiesen werden.

Karten-Wirrwar: Credit, Debit, Prepaid

Debitkarten funktionieren nur bedingt als Kreditkarten
Debitkarten funktionieren nur bedingt als Kreditkarten © Pixabay/Michal Jarmoluk

Kommen wir zum nächsten Punkt, was mich an Kreditkarten nervt: Das erste, was dir deine Hausbank ungefragt schickt, wenn du ein Girokonto eröffnest, ist eine Debitkarte. Sieht aus wie eine Kreditkarte, weil sie das Logo von Mastercard oder Visa trägt, ist aber eigentlich keine. Denn mit ihr hast du keinen Kreditrahmen, sondern der Betrag wird direkt vom Girokonto abgebucht. Damit lassen sie sich oft nicht für die Mietwagenabholung verwenden. In manchen Ländern lassen sie sich auch gar nicht nutzen, da es sich bei Debit oft um nationale Zahlungssysteme handelt. So ist auch die bereits erwähnte Girocard eine nationale Debitkarte, die nur durch Anschluss an die Debitsysteme von Visa und Mastercard in anderen Ländern eingesetzt werden kann. Warum kriegst du die Karte ungefragt zugeschickt? Visa und Mastercard drücken aggressiv ihre Karten für ihre internationalen Debit-Systeme Debit Mastercard/Visa Debit in den Markt.

Mit der massiven Verbreitung dieser Debit-Karten verbessert sich zwar auch die Akzeptanz, und ich konnte in EU-Ländern schon einige Male problemlos einen Mietwagen damit bekommen. Aber die Garantie hast du nur mit einer echten Kreditkarte, weil sich hier die Kaution ohne Abbuchung bis zur Rückgabe des Wagens blockieren lässt. Eine echte Kreditkarte erkennst du an dem Schriftzug „Credit“, und dass die Ziffern der Kartennummer hochgeprägt sind und nicht nur aufgedruckt. Muss man aber wissen.

Doch damit kommen wir gleich zum nächsten Punkt, was mich an Kreditkarten nervt: Die ausgebende Bank legt den monatlichen Kreditrahmen recht willkürlich fest und kann ihn auch jederzeit ändern. Bei Interkontinentalflügen und dergleichen wird er sehr schnell gesprengt. Manchmal kannst du dann die Bank anbetteln, dass er kurzfristig erhöht wird. Aber eine Garantie gibt es dafür nicht. Für mich als Freiberufler mit sehr schwankenden Einnahmen hat sich das als Katastrohpe erwiesen: Meine Bank glaubte, alle halblang den Kreditrahmen ändern zu müssen, und ich befand mich da in einer ständigen Diskussion.

Schließlich gibt es noch einige Anbieter von Prepaid-Karten: Hier füllst du das Kartenkonto selbst auf. Mit diesen wirst du allerdings auf massive Akzeptanzprobleme auf Reisen stoßen.

Gebühren-Wirrwar: Händler, Abhebungen, Fremdwährung

Das nächste, was mich an Kreditkarten nervt, sind die versteckten Gebühren. Oft haben sie keine Grundgebühr, aber manchmal ist das besser, wenn dann die ganzen Extragebühren nicht anfallen. Erst mal musst du diese also in Erfahrung bringen.

Den größten Posten kannst du gar nicht beeinflussen. Händler müssen bis zu drei Prozent des Umsatzes an Gebühren zahlen, wenn du mit Kreditkarte bezahlst. Das führt zu Schattenpreisen, denn sie legen diese Gebühren auf ihr gesamtes Angebot um.

Achten solltest du unbedingt auf die sogenannte Fremdwährungsgebühr. Bei den kostenlosen Karten fällt sie fast immer auf Zahlungen an, die nicht in Euro erfolgen, und kann bis zu zwei Prozent vom Umsatz betragen. Da läppert sich bei ein paar Wochen Urlaub ordentlich was zusammen.

Auch sehr gängig sind Abhebungsgebühren, also dass das Geld abheben vom Automaten immer, ab einer bestimmten Anzahl oder im Ausland mit mehreren Euro Gebühr versehen ist. Da zunehmend Automatengebühren eingeführt werden von den Firmen, welche die Automaten aufstellen, kann das ziemlich teuer werden.

Premium-Kreditkarten: Die bessere Alternative?

Premium-Kreditkarten haben ein paar Vorteile
Premium-Kreditkarten haben ein paar Vorteile © Pixabay/Steve Buissinne

Der letzte Punkt, was mich an Kreditkarten nervt: Nicht überall wo Premium drauf steht ist auch Premium drin. Ich wähnte mich mit der Visa Gold-Karte, die ich über meine Hausbank erhalten hatte, in guten Händen, bis ich am Flughafen in Santiago de Chile meinen Mietwagen nicht abholen konnte. Die Karte funktionierte einfach nicht, und die Bank hatte dafür keine Erklärung. Danke für gar nichts.

Seither habe ich mich von der Vorstellung gelöst, dass das zufällig von der Hausbank gestellte Kartenangebot eine gute Idee ist. Was genau dort dahinter steckt und wie die Kooperation zustandegekommen ist, kann ich als Kunde nicht nachvollziehen. Daher habe ich mich auf dem freien Markt nach einer besseren Kreditkarte umgesehen und habe zu einer Platinum-Karte gewechselt. Diese ist sowohl mit dem Visa-, als auch mit dem Mastercard-Zahlsystem versehen, was die Wahrscheinlichkeit von Funktionsausfällen zumindest sehr gering macht. Außerdem gibt es eine 24-Stunden-Hotline bei Problemen. Mein Kreditrahmen wurde verbindlich festgelegt und bei guter Zahlungsmoral auch regelmäßig erhöht, sodass ich das Freiberufler-Problem wie mit meiner Hausbank auch nicht mehr habe.

Im Wesentlichen gibt es drei Stufen von Premiumkarten: Gold, Platinum und die Königsklasse, die man nur auf Einladung erhält: Amex Centurion/Mastercard World Elite/Visa Infinite. Die kriegst du also automatisch, wenn du reich genug bist, und vorher kannst du zwischen ein paar Gold- und Platinum-Karten wählen, die für deutsche Kunden angeboten werden.

Das Angebot an echten Premium-Karten ist tatsächlich nicht besonders groß. Das erste Indiz, dass es sich wirklich um eine Premium-Karte handelt, ist der Schriftzug. Also nur wenn „Gold“ oder „Platinum“ auch auf der Karte drauf steht. Neben Hausbanken und internationalen Banken ohne Girokonto geben auch einige Konzerne wie Lufthansa solche Karten aus, nicht jedoch die Kreditkartenfirmen selbst.

Premium-Karten sind mit einer Grundgebühr verbunden, die aber Fremdwährungs- und Abhebungsgebühren in der Regel mit einschließt. Außerdem gibt es etwas Service und telefonische Betreuung auf Reisen, und alles Mögliche an Einkaufs- und Reiseversicherungen ist auch dabei: Von Auslandsreise-Krankenversicherung über Reiserücktritt, Gepäckverlust, Mietwagen-Vollkasko bis hin zu Garantieverlägerungen für damit bezahlte Waren.

Die Konditionen dieser Versicherungspakete kannst du natürlich nicht beeinflussen, sodass du prüfen solltest, ob es zu deinem Bedarf passt und was genau vom Versicherungsschutz ausgeschlossen ist. Mietwagen-Vollkasko beispielsweise ist gut und kann dir viel Geld sparen, aber wenn Mietwagen-Diebstahl ausgeschlossen ist nützt dir das nicht viel, weil du dann eh das Versicherungspaket der Autovermietung brauchst. Es ist also mit einem gewissen Recherche-Aufwand verbunden, hier ein gutes Angebot zu finden. Die Versicherungsbedingungen und die Zusammensetzung können sich allerdings jederzeit auch ändern.

Außerdem gibt es mit Premium-Karten noch alle möglichen Shoppingvergünstigungen mit Cashback oder Rabatten für Hotels, Mietwagen und mehr.

Gerade für Vielreisende sind die Premium-Kreditkarten meiner Meinung nach eine sehr attraktive Option. Ich konnte für mich im zweiten Anlauf nach den schlechten Erfahrungen mit der Gold-Karte ein überzeugendes Platinum-Angebot finden, mit dem ich auf Reisen zu meiner Zufriedenheit abgesichert bin und bei Gebühren, Unterkünften und Mietwagen Geld spare. Somit habe ich zumindest das Beste aus dem Ganzen gemacht, was mich an Kreditkarten nervt.

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