Spiritus oder Gas? Darum habe ich zum Gaskocher gewechselt

Gaskartusche mit Schraubverschluss und Spiritusflasche
Gaskartusche mit Schraubverschluss und Spiritusflasche © gipfelwelt.net

Ist Spiritus oder Gas der bessere Brennstoff für Outdoorkocher? Nach langer Zeit habe ich von Spiritus zu Gas gewechselt, weil mich diese Vorteile überzeugen.

Für das Befeuern meiner Outdoorküche beim Bergwandern brauche ich einen verlässlichen Brennstoff. Hauptsächlich koche ich Wasser für Trekkingnahrung, Tee und Kaffee. Aber auch komplette Menüs aus meiner Rezeptsammlung kriege ich auf einer Flamme hin, wenn ich nicht im Outback bin, sondern irgendwo auf einem Campingplatz, und somit frische Zutaten verfügbar sind. Das Kochen auf dem Campingplatz macht mir dabei großen Spaß.

Meist kommen mit Spiritus oder Gas betriebene Kocher zum Einsatz

Für die meisten Outdoorfans stellt sich dabei wohl die Frage: Spiritus oder Gas als Brennstoff? Diese Brennstoffe sind leicht verfügbar und hier ist auch das Angebot an Kochern am größten. Für Spiritus oder Gas findest du problemlos einen ultraleichten Kocher deutlich unter 100 Gramm Gewicht.

Bisher hatte ich immer Spiritus bzw. Ethanol als Brennstoff im Einsatz. Damit war ich ganz zufrieden, weil der bisher verwendete Kocher ultraleicht ist und sehr einfach in der Handhabung. Man kommt eigentlich weltweit fast überall an Spiritus, in großen Supermärkten oder an Tankstellen-Shops, notfalls kriegt man ihn (überteuert) in Apotheken. Die Handhabung ist unkomplizierter als Gas und man braucht kaum Übung: Man befüllt den Kocher mit Spiritus, der lässt sich dann relativ leicht mit Zündhölzern anfeuern. Der Kocher braucht nicht gewartet zu werden und hat keine empfindlichen Teile, die kaputt gehen können. So weit die Vorteile.

Nicht so optimal hingegen: Bei Spiritus kommt es zu einer gewissen Ruß- und Geruchsentwicklung während des Brennvorgangs. Es ist auch unvermeidlich, dass man gelegentlich mal rumsaut beim Befüllen des Kochers. Irgendwann riecht der ganze Rucksack ein bisschen nach Spiritus. Auch dauert es es sehr lange, Wasser zum Kochen zu bringen.

Größter Vorteil: Gas hat den höchsten Heizwert

Jetzt hatte ich Gelegenheit, mal ausgiebig einen Gaskocher zu testen und meinen Brennstoffeinsatz zu überdenken. Der Brennwert von Gas ist fast doppelt so hoch wie der von Spiritus. Somit brauchst du nur die Hälfte an Brennstoff mitzunehmen. Und damit geht das Wasserkochen viel, viel schneller. Je nach Menge reichen ein, zwei Minuten! Das sind wirklich zwei riesen Vorteile von Gas und der Hauptgrund, weswegen ich die Frage nach Spiritus oder Gas als Brennstoff jetzt zugunsten von Gas entschieden habe.

Toll ist auch, dass sich die Größe der Gasflamme regulieren lässt. Wenn du mit frischen Zutaten kochst, kannst du eine kleine Flamme verwenden. Damit vermeidest du, dass Sachen anbrennen.

Gute Gaskocher haben einen Zünder integriert. Somit sparst du dir die Mitnahme von Zündhölzern. Das Entflammen geht mit Zünder deutlich einfacher und funktioniert auch unter nassen und windigen Wetterbedingungen.

Ein weiterer Vorteil: Gas brennt geruchsfrei. Da du den Kocher einfach auf die Gaskartusche schraubst, saust du auch nicht rum beim Befüllen wie bei Spiritus.

Die richtige Schraubartusche einpacken

Ein Gaskocher benötigt in der Regel eine Schraubkartusche für den Betrieb. Das ist das am weitesten verbreitete Prinzip der Gaszufuhr und sicherer als Stechkartuschen. Du schraubst den Kocher für den Betrieb einfach drauf und nach dem Gebrauch wieder ab. Dann kannst du die Kartusche problemlos im Rucksack verstauen.

Gängige Größen für Schraubkartuschen sind 100, 250 und 450 Gramm. 100 Gramm Gas brennen eine gute halbe Stunde. Eine 250 Gramm Gaskartusche reicht für etwa 1,5 Stunden Brenndauer und ist damit für eine Mehrtagestour schon völlig ausreichend. Die schon recht sperrigen 450 Gramm Kartuschen sorgen entsprechend für etwas über 2,5 Stunden Brenndauer.

Genauso wie bei Spirituskochern bist du bei Gaskochern natürlich darauf angewiesen, den Brennstoff in der Urlaubsregion vorzufinden. Denn der Transport im Flugzeug ist natürlich absolut verboten. Spiritus oder Gas sind beide weltweit erhältlich. Die Verfügbarkeit von Schraubkartuschen ist etwas eingeschränkter als von Ethanol. Allerdings sollte es nirgends ein wirkliches Problem sein: Große Supermärkte, Baumärkte, natürlich Outdoor-Shops und manche Tankstellen haben Gaskartuschen im Sortiment.

Hat Spiritus oder Gas geringeres Packgewicht?

Ich bin ja enthusiastischer Ultraleicht-Trekking-Fan und deswegen ist mir das Packgewicht meiner Ausrüstung für Bergtouren ein sehr großes Anliegen. Für den Brennstoff lässt es sich dabei nicht eindeutig beantworten, ob du Gewicht sparst oder nicht. Denn obwohl du wegen des doppelt so hohen Brennwerts nur halb so viel Gas wie Spiritus benötigst: Spiritus oder Gas ist nicht unbedingt eine Frage des Packgewichts. Der Grund ist, dass das Leergewicht von Schraubkartuschen deutlich höher ist als das von Brennstoffflaschen für den Spiritus.

Das Leergewicht von Schraubkartuschen liegt bei bis zu 100 Gramm für die 100 Gramm Gaskartusche, ist also genauso hoch wie das Gewicht des Brennstoffs. Um die 150 Gramm Gewicht hat die 220 Gramm Kartusche. Eine 450er Kartusche wiegt bis zu 200 Gramm und hat somit anteilig das geringste Leeregewicht. Je mehr Gas du benötigst, desto weniger Leergewicht schleppst du also mit. Während das Gewicht des Gases jeden Tag durch den Verbrauch abnimmt, bleibt das Leergewicht konstant.

Wer da akademisch ran möchte, kann zum Beispiel mit dem Kalkulator von Blggerkollege Happyhiker ausrechnen, bei welcher Tourendauer welcher Brennstoff weniger Packgewicht bedeutet.

Doch so sehr ich das Grammzählen mag, finde ich, dass Ultaleicht-Trekking auch etwas mit der Einstellung zu tun haben sollte. Also keine Exceltabellen anzuschmeißen, bevor ich den Rucksack packe. Sondern da eher konzeptionell zu denken und Lösungen zu finden, die sich auch im Kopf sozusagen ultraleicht anfühlen. Das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit ist der wesentliche Faktor, warum ich überhaupt da raus gehe. Und die Antwort auf die Frage Spiritus oder Gas lautet für mich deswegen ganz klar: Ab jetzt nehme ich Gaskartuschen mit zum Bergwandern.

Denn erstens handelt es sich selbst im extremsten Fall nicht mal um 200 Gramm Gewichtsunterschied beim unterschiedlichen Packgewicht von Spiritus oder Gas. Dieses Gewicht hole ich locker jedes Jahr rein, in den meisten Jahren ehr deutlich mehr, durch eine stetige Optimierung meiner Packliste. Da finde ich es beim Thema Brennstoff ausnahmsweise mal verzichtbar, auf diese kleinen Gewichtsunterschiede zu achten.

Zweitens verlaufen die wenigsten Touren nach einem festen Plan. Vielleicht dauert die Tour wegen schlechtem Wetter oder kräftezehrenden Abschnitten länger als ursprünglich geplant. Oder ich komme viel schneller voran, als gedacht. Mal ist mein Bedürfnis nach Tee- und Kaffeekonsum höher, mal niedriger. Brennstoff nehme ich also vor allem in der Menge mit, die mich unabhängig und flexibel macht, bis ich wieder Brennstoff nachkaufen kann.

Drittens, und das ist das Entscheidendste für mich: Die ganzen Vorteile von Gas, das bessere Handling, mehr Möglichkeiten und Kontrolle beim Kochen machen die Frage nach Spiritus oder Gas zu einer einfachen Entscheidung.

Hier findest du meinen Testbericht für den SOTO Windmaster Gaskocher >>

Raffaele ist Autor der Gipfelwelt. Passonierter Bergwanderer, Tourengeher, Ultraleicht-Trekking-Fan, Ausrüstungs- und Bekleidungstester.
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