
Meine selbst entwickelte zweitägige Spreewald-Durchquerung führte mich von Cottbus durch die Spreeaue und am Nordumfluter entlang über Dämme bis nach Lübben.
Inhalt
Charakteristik
Der Spreewald ist im Südosten Brandenburgs im Niederungsgebiet der Spree als weitläufige Moor- und Wasserlandschaft mit üppiger, dichter Vegetation entstanden. Er dehnt sich von Alt-Schadow im Norden bis rund um die Stadt Cottbus und zum Gräbendorfer See im Süden aus. Der größte Teil dieser Fläche ist als Biosphärenreservat geschützt, wenngleich sich hier unzählige Siedlungen befinden.
Die Menschen gehen kaum zum Wandern in den Spreewald. Die allermeisten Besucher kommen in das Naturschutzgebiet mit dem weitverzweigten Flusslauf der Spree, erweitert durch unzählige künstliche Kanäle, um zu paddeln oder Kanu zu fahren, oder sich mit dem Kahn inklusive alkoholreicher Verpflegung durch das idyllische Wasserwegenetz kutschieren zu lassen. Einige kommen ansonsten für eine Radtour, insbesondere auf dem Spreeradweg und dem weitestgehend deckungsgleichen Gurkenradweg. Wandern ist hier aber so gut wie kein Thema.
Doch das ist ein Versäumnis. Denn tatsächlich gibt es die Möglichkeit, abseits der teilweise recht überfüllten Kanäle mit Bootstouristen fast den gesamten Spreewald ausschließlich auf Uferwegen zu durchqueren. Möglich machen das:
- die Spreeauen, die mir schon bei meiner Radtour von Cottbus durchs Schlaubetal mit ihrer rauen Schönheit aufgefallen waren, und
- der Nordumfluter zur Steuerung des Wasserpegels im Spreewald, ein einsamer Kanal, der für die Schifffahrt gesperrt ist.
Grund genug für mich, eine entsprechende Wandertour zu planen. Herausgekommen ist überraschenderweise sogar eine kleine Trekkingtour, da das Bewandern der Gesamtstrecke eine Übernachtung erfordert. Die Spree ist derweil aufgrund von Radwegen nicht ganz so einsam wie der Nordumfluter, jedoch können diese auf meiner ganzen Route weitestgehend vermieden werden, da sie meist nur eine Uferseite für sich beanspruchen.
Somit kannst du auf meiner Route fast das gesamte Gebiet des Spreewalds von Cottbus bis hinauf nach Lübben durchqueren. Nur der weiter nördlich gelegene Teil lässt sich nicht mehr sinnvoll in die Trekkingtour integrieren, da es dort an schönen Wegen mangelt, erst recht entlang des Wassers. Die Wege sind nicht markiert und keine offizielle Wanderroute, aufgrund der Ufernähe aber stets leicht zu finden. Ein Vorteil dieser Wasserschneisen ist, dass sie weitestgehend waldfrei sind. Somit genießt du die ganze Zeit über schöne Weitblicke über die Brandenburgische Natur, die stark an die Prärie erinnert und immer wieder mal bei mir Wildwest-Stimmung aufkommen ließ.
Es gibt übrigens auch eine offizielle Route für eine Spreewald-Durchquerung zu Fuß: den Europäischen Fernwanderweg E10. Dessen Wegführung ist jedoch an Unattraktivität kaum noch zu unterbieten und könnte kaum noch mehr die zauberhafte Wasserwelt des Spreewalds ignorieren. Der E10 enttäuscht also auch hier, wie schon in Rheinsberg und Zehdenick. Aber im Spreewald brauchst du ihn nicht.
Auch geschichtlich ist der Spreewald übrigens sehr interessant: Er bildet neben der Lausitz die Heimat der Sorben, die als kleinstes slawisches Volk gelten und in Deutschland mit ihrer Sprache, Religion und Kultur als nationale Minderheit anerkannt sind. Deswegen sind beispielsweise alle Beschilderungen in der Region zweisprachig.
Dauer und Schwierigkeitsgrad
Meine Spreewald-Durchquerung absolvierst du fast ausschließlich auf guten und ebenen Naturwegen. Ein paar kürzere Abschnitte und die Zustiege von den Bahnhöfen führen über Asphalt, und in Lübben gibt es ein paar Treppen. Bei der Marschrichtung von Cottbus nach Lübben profitierst du von einem leichten Gefälle, da sie der Fließrichtung der Gewässer entspricht.
Für die gut 55 Kilometer Strecke benötigst du ohne Pausen zehn bis 13 Stunden. Dementsprechend ist eine Übernachtung erforderlich, bzw. die Aufteilung auf zwei Tage.
Start und Ziel
Startpunkt meiner Spreewald-Durchquerung ist 🚃 Cottbus Hauptbahnhof. Ziel ist der 🚃 Bahnhof Lübben (Spreewald). Beide Bahnhöfe werden in engem Takt von mehreren Regionalzügen angefahren.
Als Berliner profitierst du von der deutlich verkürzten Anreisezeit in den Spreewald, seit 2025 der durch Berlin führende Teil der Schnellbahnstrecke für die Dresdner Bahn via Flughafen BER in Betrieb genommen worden ist. Wann sie allerdings tatsächlich bis Dresden führen wird, steht in den Sternen. Aber der R2 vom Ostkreuz und der neue RE20 vom Hauptbahnhof brauchen jetzt nurmehr gut 1,5 Stunden nach Cottbus, und eine Stunde für die Rückfahrt von Lübben. Je nach Startpunkt innerhalb Berlins können andere Regios in Kombination mit der S-Bahn bessere Verbindungen bieten.
Der einzige wesentliche Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist wie auch beim Hotel die Streusiedlung Burg.
Übernachtung und Verpflegung
Die ziemlich einsame Route bietet nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten zur Übernachtung. Es gibt ein paar Ferienhöfe am Wasser auf halber Strecke, die aber oft mehrere Übernachtungen verlangen und nicht unbedingt Verpflegung bieten. Die einzige Option für ein 🛏️ Hotel ist, wenn du die Route verlässt und 1,5 Kilometer in die Streusiedlung Burg gehst. Ich habe es daher mit in die GPS-Route aufgenommen.
Auch die Einkaufs- und Verpflegungsmöglichkeiten unterwegs sind ohne Verlassen der Route extrem limitiert. Direkt am Weg liegt gibt es nur die 🍽️ Einkehrmöglichkeit in Alt Zauche und direkt dahinter in Bukoitza gegen Ende der Tour.
Cottbus am Anfang und Burg am Ende aber bieten alles was das Herz begehrt an Unterkunft, Verpflegung und Einkaufsmöglichkeiten, sodass du dich vor Beginn und nach der Tour mit allem verwöhnen kannst, was du brauchst.
Tag 1: Cottbus – Burg (Spreewald) (5:30 h, 30 km)

Ich hatte mir für meine Spreewald-Durchquerung fantastisches Spätsommer-Wetter ausgesucht. Die Luft flirrte von der Sonnenwärme, die aber nicht mehr die große Hitze brachte, und die Landschaft schon in das satte Licht des Sommerendes mit starken Kontrasten und schwarzen Schatten tauchte.
Am 🚃 Hauptbahnhof von Cottbus startete ich meine Tour damit, schnellstmöglich ans Wasser zu kommen. Dazu wählte ich den Nordausgang und folgte ein kurzes Stück der Hauptstraße nach Osten, konnte aber schon bald auf ruhigen Wohnstraßen weiter gehen. Die Ludwig-Leichhardt-Brücke brachte mich über die Spree zum Planetarium Cottbus. Hier zeigt sich das Ufer direkt idyllisch mit schönen Wegen durch den Wald. Auch wenn es sich um Radwege handelt, sind es zumindest Naturwege und an diesem sonnigen Morgen waren gar keine Radler unterwegs.
Ich folgte dem schönen Uferweg nach Norden aus Cottbus hinaus und hatte auch bald den Radwege-Abschnitt hinter mir gelassen, sodass der Weg mir immer besser gefiel. Im Verlauf lichtete sich der Wald, bis ich nach einigen Kilometern und zwei Unterführungen das Große Spreewehr erreichte.

Nach dem Wehr wurde der Weg etwas wilder und führte an ein paar Flussschwellen vorbei zur Grünen Brücke, über die ich die Spree passierte und mit dem Ortsteil Saspow schon fast das Ende von Cottbus erreicht hatte. Leider musste ich jetzt ein Stück auf geteertem Radweg gehen, doch dann war es möglich, direkt am Wasser entlang einen Trampelpfad zu nehmen.

So ging es in leicht bewaldetes Gebiet hinein, und nach Überqueren einer Straße erreichte ich mit Skadow die vorletzte Siedlung von Cottbus. Hier änderte sich das Landschaftsbild sehr reizvoll, denn durch lichten Wald und an Zuläufen der Spree vorbei ging es jetzt auf Schutzdämmen weiter. Bis zum Ende meiner Spreewald-Durchquerung konnte ich von hier an überwiegend auf den Dämmen gehen, die nicht nur einen angenehm weichen natürlichen Untergrund zum Gehen bieten, sondern auch einen etwas erhabeneren Blick über die Szenerie ermöglichen.

Mit Verlassen des Stadtgebiets wurde es zunehmend einsamer und der Blick öffnete sich immer weiter über die breite Aue. Ich wechselte die Uferseite und hatte damit auch den Wald wieder verlassen. Jetzt konnte ich auf Trampelpfaden weiter gehen und sah auf der anderen Seite ein paar Häuser von Döbbrick, einem kleinen Dorf, das offiziell noch zu Cottbus gehört.

Ich durchquerte die Spree ein weiteres Mal, um dem Fahrradweg zu entgehen, und hatte endgültig das Ende des Stadtgebiets erreicht. Jetzt ging es wieder schön auf dem Damm in der immer breiter werdenden Spreeaue weiter. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt Maiberg (Maiberg (🚌 Bus 20 nach Cottbus).
Ich durchquerte den Biotopverbund Spreeaue, wo man heute überhaupt nichts mehr davon sieht, dass es sich faktisch um eine künstliche Landschaft handelt: Nach dem Niedergang des Tagebaus wurde die Natur renaturiert und wieder angebaggert, was vorher jahrzehntelang abgebaggert worden war. Dabei sind viele Teiche mit angelegt worden, die aufgrund der aktuellen Trockenperiode aber kaum Wasser trugen.
Bei Fehrow (🍽️ Einkehrmöglichkeit ca. 1,2 km) überquerte ich eine Straße und kam direkt dahinter ins Biosphärenreservat Spreewald, das ich auch bis zum Ende der Tour nicht mehr verließ. Abgesehen vom Schild deutete aber nichts darauf hin, dass erst hier ein offizielles Naturschutzgebiet beginnt. Die Landschaft ist ebenso wie zuvor mit wenigen Straßen und winzigen Siedlungen erschlossen. Ich musste im Verlauf sogar ein kurzes Stück auf Teerstraße gehen, bis ich ein großes Wehr erreichte.
Hier zweigt die Hauptspree nach Südwesten ab. Ich hingegen überquerte die Wehranlage und folgte ab jetzt bis zum Ende der Spreewald-Durchquerung dem Nordumfluter, einem künstlichen Entwässerungskanal für das Kanalsystem des Spreewalds. Das Wehr war eigentlich die einzige Situation, wo ich heute mal auf ein paar Leute traf, hauptsächlich Radler. Menschen fühlen sich ja von Schleusen angezogen und bestaunen gerne das stürzende Wasser, doch auch hier war heute wegen der Dürre nicht so viel los.

Um wieder den Verlauf der Radwege zu vermeiden, wählte ich nun das orographisch rechte Ufer des Nordumfluters. Ein weiteres Mal wechselte das Landschaftsbild von den weiten Spreeauen hin zu Kulturlandschaft mit endlosen Feldern, und tatsächlicher Wald ist eigentlich nur in der Ferne als Panorama auszumachen, obwohl du dich auch hier mitten im Gebiet des Spreewalds befindest. Auch wenn es nicht pure Natur ist, entfaltet die Landschaft mit ihrer Ruhe und Weite ein Idyll. Da der Nordumfluter für Wasserfahrzeuge gesperrt ist, geht es auch hier sehr einsam zu. Gesellschaft leisten mir nur ab und zu ein paar Schwäne.
So marschierte ich die letzten paar Kilometer bis zum heutigen Etappenziel, der Streusiedlung Burg. Als ich das Große Fließ überquerte, durfte ich zu meiner Freude feststellen, dass ich weiterhin dem rechten Ufer folgen konnte. Denn im Kartenmaterial ist gar kein Weg eingetragen, und sonst hätte ich auf den Fahrradweg am anderen Ufer gemusst.

Als nicht so schönen Abschluss der Tagesetappe blieb mir jetzt nichts anderes übrig, als der Landstraße in die Streusiedlung zu folgen (🚌 Busstation Byhlegure-Kaupen mit mehreren Linien, unter anderem Linie 500 nach Lübben). Immerhin konnte ich nach einem Kilometer Straße dann noch einen schönen Pfad nehmen, der mich zum Willischza-See mit schöner Badestelle führte.
Die einzig sinnvolle Übernachtungsoption für meine Spreewald-Durchquerung befindet sich hier in Form des 🛏️ Seehotels Burg im Spreewald*. Das Haus ist in die Jahre gekommen und leider hast du vom Restaurant gar keinen Blick auf den See, den es im Namen trägt. Ich wurde aber entschädigt durch den tollen Wellnessbereich, der sich auf dem weitläufigen Grundstück über mehrere Holzhäuser im Banja-Stil verteilt. Die Salzgrotte dürfte allerdings im Übernachtungspreis enthalten sein, finde ich. Besonders gut gefiel mir der Naturpool.
Tag 2: Burg (Spreewald) – Lübben (Spreewald) (4:30 h, 25 km)

Mich erwartete ein weiterer fantastischer Spätsommertag am zweiten Tag meiner Spreewald-Durchquerung, sodass ich rasch die dämliche Landstraße zurück zum Nordumfluter hinter mich brachte. Wie gestern ging ich zunächst auf Schotterweg am rechten Ufer weiter, doch alsbald kam erfreulicherweise wieder ein Schutzwall wie schon tags zuvor an der Spree, sodass ich wieder etwas erhabener und auf Erdweg gehen konnte. So passierte ich die gesamte Streusiedlung Burg und versprenkelte Siedlung des gegenüberliegenden Straupitz, ohne jedoch irgendwas von den Bebauungen mitzukriegen.
Vorbei an Brücken und einer kleinen Schleuse ging es nun auf dem Damm eine ganze Weile über weites Land, und jetzt änderte sich das Landschaftsbild ein weiteres Mal. Zum einen ist ab hier der Nordumfluter für Wasserfahrzeuge geöffnet, sodass es regelmäßig kleine Landebuchten gibt und alle halb lang Käne im Wasser parken wie schlafende Tiere. Zum Anderen kam ich an den Waldsaum und das Ufer ist jetzt mit dichtem Schilf bewachsen, da das Mikroklima deutlich feuchter wird.
So kam ich zum Kahnhafen Alt Zauche (🍽️ Einkehrmöglichkeit in der Hafenschänke). Hier wird es etwas touristisch mit Bootsverleih, und eine kleine Gruppe machte sich gerade bereit für ihre Paddeltour. Denn hier befindet sich eine Einstiegsmöglichkeit in das berühmte Kanalsystem des Inneren Oberspreewalds. Also rasch weiter an einem Holzbrückchen vorbei.

Die Szenerie änderte sich erneut. Denn nun fand ich mich für den verbleibenden Abschnitt bis Lübben zwischen zwei Wasserläufen wieder: Rechts des Nordumfluters verläuft hier der A-Graben Nord. Ich erreichte die winzige Siedlung Bukoitza (zwei 🍽️ Restaurants und 🛏️ Hotel), die bereits zu Lübben gehört. Jetzt wurde es auch direkt wieder einsam, da ich schon abseits des Kanalsystems angekommen war.

Ich genoss die letzten Kilometer Ruhe, bevor ich dann Lübben (Spreewald) erreicht hatte. Nachdem ich auf Straße durch eine Siedlung gegangen war, erreichte ich den Nordumfluter ein letztes Mal und überquerte ihn auf einer kleinen Schleusenbrücke. Eine weitere Brücke brachte mich auf die Schlossinsel mit ihrer schönen Parkanlage auf mehreren Ebenen. Hier ging ich eine kleine Treppe hinauf und überquerte die Insel.
Eine weitere Brücke brachte mich auf die vorgelagerte kleine Insel, wo der Hardcore-Tourismus mit Büdchen und Flaniermeilen aufwartete. Gerne ließ ich sie zügig hinter mir und fand einen Weg über eine weitere Brücke am Wasser entlang bis zum Brückenplatz. Hier brachte mich die nächste Brücke über die Spree, sodass ich ihr auch noch mal Lebewohl sagen konnte. Ein letzter grüner Abschnitt durch das Stadtwäldchen brachte mich schlussendlich zum 🚃 Bahnhof Lübben (Spreewald).
Karte und GPS-Route Spreewald-Durchquerung
Beitrag zuletzt aktualisiert am 20.08.2026 von Raffaele





