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Gore-Tex Surround Schuhe im Test

Gore-Tex Surround Schuhe im Test
Gore-Tex Surround Schuhe im Test © gipfelwelt.net

Ruckediguh, Loch ist im Schuh: Hilft das Konzept der Gore-Tex Surround Schuhe gegen das Schwitzigkeitsproblem der Gore-Tex-Membran? Der ausführliche Test.

Die auf Teflon basierende Gore-Tex-Membran, die Kleidung und Schuhe wasserdicht macht, hat ein Schwitzigkeitsproblem. Mit steigenden Temperaturen funktioniert die Atmungsaktivität schlechter, Schweiß kommt nicht mehr so gut von innen nach außen und kondensiert an der Innenseite.

Wenngleich sich die Membran über die Jahrzehnte schon deutlich verbessert hat, macht mir das Tragen von Gore-Tex-Produkten bei 25 Grad aufwärts keinen Spaß. Je näher die Außentemperatur an das Körpergewicht reicht, desto schlechter kommt der Schweiß von innen durch die Membran. Denn ein wasserdichtes Material herzustellen, ist einfach. Doch nützt dir das nichts, wenn du dann im eigenen Saft stehst. Der Schweiß muss die Möglichkeit haben, vom Körper weg durch das Material zu kommen.

Das gilt vor allem für Jacken, aber auch für Schuhe. Hier hat Gore sich eine Innovation einfallen lassen, um Schuhe luftiger zu machen und damit das Innenklima zu verbessern.

Löcher in Sohle oder Schaft der Gore-Tex Surround Schuhe

Gore-Tex Surround Logo
Gore-Tex Surround Logo © gipfelwelt.net

Auf der Suche nach wasserdichten Laufschuhen bin ich auf dieses Konzept der Gore-Tex Surround Schuhe gestoßen: Zur besseren Belüftung der Füße, damit Schweiß und Wärme besser entweichen kann, haben die Sohlen hier ganz viele offene Flächen. Die Gore-Tex-Membran ist angeblich trotzdem gut geschützt durch eine robuste Vliesschicht. Daher wollte ich unbedingt Gore-Tex Surround Schuhe testen und mir mal selbst ein Bild davon machen.

Für Wanderschuhe gibt es noch eine weitere Variante, da man hier ja wegen der hohen Beanspruchung schlecht Löcher in die Sohlen machen kann. Deswegen werden bei Wanderschuhen mit Gore-Tex Surround seitliche Belüftungsschlitze ganz unten am Schuhschaft eingearbeitet (diese Variante habe ich noch nicht ausprobiert).

Nun also die spannende Frage: Bringt das Ganze auch wirklich was? Ich habe mir zwei Paar Gore-Tex Surround Schuhe zum Laufen gezogen, das eine Paar hat auch sehr viele Luftlöcher im Obermaterial, das andere nicht. Nach ausgiebigem GoreTex Surround Test in der Hitze der Stadt, die uns die Wochen beglückt hat, kann ich sagen: Ja, es bringt was! Bei beiden Paaren ist das Fußklima deutlich angenehmer als bei normalen Gore-Tex-Tretern, wo ich bei diesen Temperaturen nasse Socken vom Schweiß kriege. Die Schuhe mit den Luftlöchern im Obermaterial sind dabei nochmal um einiges luftiger, als die ohne.

Ein Nachteil ergibt sich allerdings auch, wie der Gore-Tex Surround Schuhe Test gezeigt hat. Und zwar aus der Beschaffenheit der Sohlen: In den Luftlöchern verfangen sich gern Steinchen und Schmutz. Da knirscht es manchmal ganz schön beim Auftreten und man muss die Sohlen regelmäßig reinigen und “entsteinen”. Die Steinchen hängen allerdings auch ziemlich fest, sodass es mühsam sein kann, die alle aus der Sohle rauszukriegen.

Ich hatte am Anfang etwas Sorge, meinen Fuß mit den löchrigen Sohlen dem Straßenunrat auszusetzen. Aber das hat sich als völlig unbegründet erwiesen. Die von Gore eingesetzte dicke Vließ-Schutzschicht über den Löchern scheint wirklich sehr robust zu sein und vor allem zu schützen, was da so auf der Erde liegt. Steine und Dreck sowieso, aber selbt wenn ich mal versehentlich in Scherben trete, scheint es keine Probleme zu geben. Nur die dämpfende Wirkung der Sohle ist vielleicht etwas geringer als bei geschlossenen Sohlen, da diese ja nicht durchgängig ist, so dass die Füße etwas schneller ermüden als mit vollständigen Sohlen.

Innovation oder nicht?

Wirkliche Innovationen auf dem Markt für Outdoor-Bekleidung sind rar. Vielmehr wird oftmals versucht, uns durch futuristische Namensgebungen immer wieder den gleichen Kokolores anzudrehen. Deswegen freue ich mich immer, wenn es etwas Neues zu entdecken gibt, was einen echten Mehrwert für Funktionskleidung verspricht.

Mit Gore-Tex Surround ist der Fall mindestens nicht ganz klar. Durch eine offene Konstruktionsweise will der US-amerikanische Hersteller Gore bei Schuhen das Schwitzigkeitsproblem seiner wasserdichten Membran verbessern und hat dieses Konzept vor einigen Jahren auf den Markt gebracht. Das eigentliche Problem, dass die Gore-Tex-Membran bei warmen Temperaturen schlechter funktioniert als bei niedrigen Temperaturen, wurde hier aber ebenso wenig behoben wie die durch das in der Membran eingesetzte Teflon entstehende Umweltproblematik.

Dennoch sind die offen konstruierten Schuhe eine echte Verbesserung für den Einsatz im Sommer bei schweißtreibenden Aktivitäten. Die Atmungsaktivität wird durch die vielen Belüftungsöffnungen verbessert, obwohl die Membran als solches bei dieser Gore-Tex-Variante genau die gleiche ist. Außerdem ist es dem Hersteller gelungen, dass Schuhe trotz der vielen Öffnungen ziemlich robust konstruiert werden können, da er sie mit einem äußerst resistenten Fleece-Material kombiniert.

So braucht sich der Träger von Gore-Tex-Surround-Schuhen keine Sorgen zu machen, dass Steinchen oder andere störende Gegenstände eindringen würden. Denn die rund um den Fuß liegende Fleece-Schicht hält alle Fremdkörper verlässlich ab. Auch für Wanderschuhe und den Einsatz beim Bergwandern stellt das damit eine prima Lösung dar.

Die zwei Varianten von Gore-Tex Surround

Es existieren derzeit zwei Varianten von Gore-Tex Surrond: Entweder die Sohle ist mit Waben und Löchern versehen, die den Fuß mit einer Fleece-Schicht vor der Straße schützen. Das Ganze ist dann sehr luftdurchlässig und soll so das Fußklima verbessern.

Bei Schuhen, die für sehr hohe Beanspruchungen gemacht sind, also zum Beispiel Wanderschuhe, kommt die andere Variante zum Einsatz. Hier sind die Luftlöcher nicht unten in der Sohle, sondern seitlich ringsum zwischen Schaft und Sohle verbaut. Auch hier schützt eine Fleece-Schicht von innen vor eindringenden Fremdgegenständen.

Der große Erfolg in der Breite blieb Gore-Tex Surround bislang verwehrt. Einerseits sehen Schuhe mit dieser Ausstattung etwas speziell aus, und die damit einhergehdene Nerd-Optik trifft sicher nicht den Geschmack der breiten Masse. Die Anmerkung “oh, du hast ja Löcher im Schuh!” nervt so ab dem dritten Mal auch ziemlich.

Abgesehen von der Optik: Rein mental wird es bei vielen Nutzern wohl schon Misstrauen auslösen, wenn die Schuhe ringsum voller Löcher sind. Andererseits haben sie natürlich auch tatsächlich nicht die Langlebigkeit und Robustheit eines komplett geschlossenen Schuhs. Gerade bei Bergstiefeln, womit es die meiste Zeit durch rauhe und unwirtliche Klimata geht, möchte man sich ja schon auf sein Schuhwerk zu 100 Prozent verlassen können.

Somit hat sich das Angebot an Gore-Tex-Surround-Schuhen in den letzten Jahren eher wieder verkleinert, und wahrscheinlich werden sie früher oder später komplett vom Markt verschwinden. Ein ähnliches Schicksal teilt auch die Geox Amphibiox-Technologie, die im Übrigen einen sehr heftigen gerichtlichen Patentkrieg mit Gore-Tex geführt hat, was Löcher in wasserdichten Schuhen angeht.

Ich selbst habe Schuhe mit Gore-Tex Surround vor allem als Reiseschuhe schätzen gelernt und würde sie dafür auch immer wieder kaufen. Hier spielt die etwas geringere Roboustheit des Schuhs nicht so eine Rolle, und gerade bei Trips im Sommer ist die verbesserte Atmungsaktivität sehr angenehm. Dennoch möchte ich keine nassen Füße kriegen, wenn mal ein Sommerregen niederprasselt oder ich beim Aussteigen aus dem Mietwagen in einer Pfütze stehe. Von dem her wäre es auf jeden Fall schade, wenn Gore-Tex Surround komplett vom Markt verschwindet.

Unterm Strich geht im Test das Konzept für mich auf. Je mehr Löcher, desto besser das Fußklima der Gore-Tex-Treter. Es ist also auf jeden Fall eine gute Idee, darauf zu achten, dass nicht nur die Sohlen luftdurchlässig konstruiert sind. Wähle am besten ein Paar Schuhe, dass Obermaterial aus Stoff und/oder mit ebenfalls vielen Luftlöchern hat.

Es funktioniert also, auch wenn das Ganze ein bisschen Augenwischerei ist, denn die Gore-Tex-Membran an sich verbessert sich dadurch ja nicht. Aber da es der Schwitzigkeit merklich entgegen wirkt, wenn die Sohle offen konstruiert ist, hab ich mich an die Löcher in der Sohle ganz gut gewöhnt. Der nächste Sommerregen kann kommen.