Durch den Cape Chignecto Provincial Park

Cape Chignecto National Park, Kanada
© gipfelwelt.net

Dramatische Steilküste, traumhafte Buchten, Walbeobachtungsmöglichkeiten – und sehr viel Wald. Das bot sich bei meiner zweitägigen Zelttour durch den Cape Chignecto Provincial Park in Nova Scotia, Kanada.

Die Vorbereitung

Aufmerksam geworden auf diese Tour war ich durch eine Bloggerkollegin. Cape Chignecto liegt, vom Festland kommend, ganz am Anfang der Halbinsel Nova Scotia. Den Cape Chignecto Provincial Park nahe dem Örtchen Advocate Harbor erreicht man über eine holprige Straße. Man wird im Besucherzentrum am Parkeingang umfassend zum Vorhaben befragt und informiert, entrichtet eine geringe Gebühr und muss im Vorfeld festlegen, auf welchen Campingstellen man übernachten möchte.

Es führt (nur) ein Rundweg durch den Park, wir entschieden uns diesen in zwei jeweils ca. 28 km-Etappen (herausfordernd!) zu gehen und am Key Hole Brook zu übernachten. Möglich sind dank mehrerer Campingstellen problemlos auch kleinere Etappen. Etwas komfortabler nächtigt man in kleinen unbewirtschafteten Hütten.

Der Weg an sich ist hervorragend markiert und dank nur weniger Höhenunterschiede nicht allzu anstrengend. Herausfordernd sind eher die anderen Gegebenheiten:

Das Wasser im Park muss aufbereitet werden, da es durch Tiere und Pflanzen mit Bakterien, Viren und Protozoen belastet sein kann. Das war für mich was Neues, ging mit meinem Steripen aber recht unkompliziert.

Offenes Feuer ist außer dem am Parkrand gelegenen Campingplatz New Yarmouth verboten. Daher muss Brennspiritus mit, wenn die Küche nicht kalt bleiben soll. Denn man muss sich die ganze Zeit über selbst versorgen. Ethanol war aber in Kanada nicht ganz leicht zu kriegen; es stellte sich schließlich heraus, dass man sich vorzugsweise an Tankstellen nach “fondue fuel” erkundigen muss.

Besondere Freude bereiten die zahlreichen Moskitos, deren Summen man die ganze Zeit in den Ohren hat. Ein Moskitospray ist also unabdingbar. Da umschwirren einen die Viecher trotzdem, stechen aber nicht zu.

Und schließlich die Schwarzbären, deren Revier man hier durchquert: An sich ungefährlich, können sie einem wegen Essensgerüchen nachts durchs Zelt kommen. Deswegen müssen Essensreste sorgfältig entsorgt und Lebensmittel geruchssicher aufbewahrt werden, zB in einem Packsack. Nachts hängt man Lebensmittel am besten auf eine Leine zwischen zwei Bäumen weit genug vom Zelt entfernt.

Tag 1: Visitor Center – Cape Chignecto – Key Hole Brook (ca. 7h)

Nach der Anmeldung im Visitor Center stellten wir das Auto am Campingplatz New Yarmouth ab, wo wir die zweite Nacht bleiben wollten.

Cape Chignecto National Park, Kanada
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Die ersten 12 km ging es auf befestigten Wegen der Küste entlang durch den Wald mit immer wieder vorhandenen Ausblicken auf die Steilküste in ihrer vollen Pracht, auf diesem Abschnitt waren gelegentlich Tagesausflügler anzutreffen.

Weiter über unbefestigte, aber hervorragend markierte Wege bis zum Cape Chignecto. Kleine Enttäuschung: Das Kap selbst sieht man nur kurz und kann nicht hin laufen. Allerdings bietet sich diese Möglichkeit an mehreren Buchten, wo man einsame Strände findet und ein bisschen an den Felsklippen entlang kraxeln kann.

Cape Chignecto National Park, Kanada
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Das schönste Stück kam kurz vor dem heutigen Tagesziel: Endlich mal wenigstens einige hundert Meter kein Wald, sondern über Moos hoch über den Klippen entlang. Der perfekte Ort zum Rasten, und alsbald konnte man von hier aus auch Wale sehen, die sich in den Buchten tummelten.

Wir waren die einzigen Gäste an der tief im Wald gelegenen Campingstelle.

Tag 2: Key Hole Brook – Eatonville – New Yarmouth (ca. 7h)

Am zweiten Tag ging es noch ein Stück in Küstennähe weiter, bevor der Weg dann abzweigte und durch den Waldzum Campingplatz New Yarmouth führte. Nicht so abwechslungsreich.

Fazit

Für meinen Geschmack zu waldlastig, aber außer auf dem letzten Drittel immer wieder großartige Ausblicke auf die endlos scheinende Steilküste vor und hinter Cape Chignecto. Lohnender dürfte sein, nicht den Rundweg zu machen, sondern nach der Hälfte der Strecke umzukehren – so hat man auch mehr Gelegenheiten, zu einsamen Buchten vorzulaufen und dort zu rasten und die Natur auf sich wirken zu lassen.

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