Wanderreiten im Tessin

Eine knappe Woche lang ging es zum Wanderreiten auf Maultieren durch das Tessiner Bleniotal in der italienischen Schweiz. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben geritten!

Maultier im Bleniotal
© gipfelwelt.net

Als Konfirmationsgeschenk haben Patentochter, Patentante und ich als Patenonkel uns auf eine Abenteuerreise begeben. Gemeinsam mit einer Führerin waren wir fünf Tage wanderreiten im Tessin im Bleniotal. Dabei war ich der Einzige, der gar keine Reiterfahrung hatte. Entsprechend groß war die Aufregung vorher!

Tag 1: Kennenlernen der Maultiere

Am späten Nachmittag kamen wir auf dem Hof unserer Tierführerin in der Gemeinde Acquarossa an. Im wunderschönen, saftig-grünen Bleniotal empfing uns fantastisches Wetter mit Alpenpanorama, und beides sollte uns glücklicherweise die ganze Woche erhalten bleiben.

Nun durften wir unsere Begleittiere kennen lernen. Im jetzt noch geschützten Raum auf der Koppel konnten wir eine Verbindung zu unserem jeweiligen Maultier aufbauen: Es erst im Kreis umherführen, später darauf reiten. Die Verbindung ist das A und O, das merkte ich schon sofort. Das Tier muss einen wahrnehmen als Führenden, braucht Präsenz und Aufmerksamkeit des Reiters. Und gleichzeitig braucht es seinen Freiraum und keinen Druck, sonst wird die Situation schnell angespannt und verfahren. Zügel lockern, wenn das Tier tut was man möchte, so eine der ersten Lektionen.

Tag 2: Acquarossa – Olivone (ca. 6 h)

Heute machten wir uns auf zu unserem Hauptstandort der nächsten Tage im Dörfchen Olivone. Doch zunächst begann der Tag – wie alle folgenden Tage – mit Stallarbeit und dem Striegeln und Satteln der Maultiere.

Dann hoch zu Ross Maultier! Mein Tier trottete hauptsächlich treu den anderen hinterher, während ich mich mit dem für mich absolut neuen Fortbewegungsmittel vertraut machen konnte. Wie sind die Signale für Abbiegen und – vor allem – Anhalten? Ganz schön viel auf einmal. Vom Tag bekam ich nicht so viel mit. 

Nach einigen Stunden und einer schönen Mittagspause auf einer Wiese erreichten wir Olivone am Fusse des Sosto mit seiner charakteristischen Pyramidenform.

Tag 3: Olivone – Ghirone – Olivone (ca. 6 h)

Hoch über dem BlenioHeute gings links am Berg Sosto vorbei über einen wunderschönen Felssteig hoch über dem Fluss Blenio – und wieder zurück.

Tag 4: Olivone – Campra – Olivone (ca. 7 h)

Der heutige Tag war der anstrengendste. Es ging hinauf ein ein Hochtal zum Örtchen Campra. Dabei kamen wir wohl alle drei an unsere Grenzen. Und die Tiere merkten dies, und nutzten das ein Stück weit aus. Eine Gruppe jugendlicher Wanderer amüsierte sich köstlich und zückte zu Dokumentationszwecken ihre Handys, als mein Maultier einfach nicht die engen Serpentinen hinab durch ein Waldstück gehen wollte, wo wir die Tiere wegen des Steilhangs führen mussten. Ich hoffe das geistert nicht irgendwo auf Youtube rum! In jeder Kurve marschierte mein Maultier erst mal schnurstracks geradeaus weiter mitten in den Wald hinein. Es wurde dann auch etwas lauter … An diesem Abend waren wir wohl alle fertig mit der Welt.

Tag 5: Olivone – Acquarossa

Auf dem Rückweg zum HofHeute ging es zurück zum Hof. Die Einheit zwischen mir und meinem Maultier war an diesem Tag am engsten. Auf dem allerletzten zu reitenden Abschnitt, kurz bevor wir das letzte steile Stück durch den Wald zum Hof hinauf stiegen, kamen wir an einem Haus mit großem Garten vorbei. Zwei Kinder plantschten dort in einem Schwimmbecken. Wie sie die Tiere herantrotten sahen, rannten sie aufgeregt zum Zaun und winkten uns entgegen. Als hätte ich meinen Lebtag nichts anderes gemacht, ritt ich zum Zaun und brachte mein absolut folgsames Maultier zum Stehen. Es neigte sich wie von selbst zu den Kindern hinab und ich ermunterte sie, es zu streicheln. Sodann grüßte ich zum Abschied und ritt von dannen. Schöner hätte der Abschluss der Tour nicht sein können …

Fazit

Auf jeden Fall hat diese Tour meine Lust geweckt, wieder mal reitenderweise unterwegs zu sein. Ich fand es zwar – zumindest beim ersten Mal – um einiges anstrengender als auf Schusters Rappen. Denn es ist stetige mentale Präsenz gefordert, damit die Tiere so trotten, wie sie sollen. Aber das intensive Erleben gemeinsam mit dem Tier fand ich schon etwas Besonderes. Mit jedem Tag verschmilzt man gefühlt etwas mit der Seele des Tieres.

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2 Comments on “Wanderreiten im Tessin”

  1. Lieber Raffaele, schön ist`s deinem Bericht zu lauschen…, gleichzeitig geht die Reise in tausend Bilder in mir ab…; vieles gab`s zum Schmunzeln, Staunen, die Tiere gehen einem ans Herz.
    Freue mich schon auf `s Büchlein!
    Danke mit Gruss, Pia

    1. Liebe Pia,
      danke für deinen Kommentar! Toll war es mit euch, und berührend mit den Tieren. Und das Fotobüchlein mit nicht tausend, aber ein paar ausgewählten Bildern kommt zu euch … bald …

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