Warum ich mich von Daunenfüllung verabschiedet habe

Outdoor-Produkte mit Daunenfüllung bieten eine Menge Vorteile dank eines sehr guten Wärme-Gewicht-Verhältnisses und hohem Tragekomfort. Aber sie können auch unheimlich nerven.

Gänsedaune
© gipfelwelt.net

Leicht, gut komprimierbar, flauschig, hohe Bauschkraft, gute Isolation: Das sind die Gründe, weswegen bei Kleidung und Schlafsäcken gern Gänse- und Entendaunen als Füllung verwendent werden. Synthetische Isolationsmaterialien wie Primaloft, also quasi Kunststoff-Daunen, kommen da nicht ran – zumindest noch nicht. In meinem umfangreichen Vergleich Daune versus Primaloft, wo die Daunenfüllung als Sieger nach Punkten hervorging, hat sich das schön gezeigt.

Gerade bei Schlafsäcken, die üppig isoliert sein müssen und daher gut ins Packgewicht gehen, macht sich das gute Wärme-Gewicht-Verhältnis und die Komprimierbarkeit der tierischen Daunen bemerkbar. Da wiegt dann ein wintertauglicher Schlafsack nur 500 g und lässt sich im Rucksack auf das Volumen einer Halbliterflasche zusammenquetschen.

Aus dem Grund hatte ich die letzten Jahre auf Tour einen Daunenschlafsack von Cumulus im Einsatz, und für die Stadt einige mit Daunen gefütterte Jacken.

Aber ich mag nicht mehr.

Denn die wenigen, aber schwerwiegenden Nachteile der Daunenfüllung gegenüber der synthetischen Isolation haben mir jetzt schon so oft den Nerv geraubt. Der Cumulus-Schlafsack musste dem HyperLamina Spark von Mountain Hardwear weichen, auch wenn der einige 100 Gramm schwerer ist. Und die Daunenjacken habe ich auch aussortiert.

Die Daune ist eine Diva

Denn es genügen wirklich geringe Wassermengen, die von der Daune dann auch noch begierig aufgesogen werden, und dann verklumpt sie. Dann sitzt du da mit deinem schönen Schlafsack, der zu einem traurigen Häuflein Elend geschrumpft ist. Das Trocknen dauert sehr, sehr, seeeeehr lange, und wenn der Schlafsack einmal nass geworden ist, dann stinkt er außerdem.

Überhaupt ist die Daune eine Diva, die dir das Zusammenknautschen übel nimmt. War der Schlafsack Stunden oder gar Tage komprimiert im Rucksack, darfst du ihn erst mal eine Weile aufschütteln wie Frau Holle, bis die Bauschkraft der Daune wiederhergestellt ist. Sonst wirds eine frostige Nacht.

Am nervigsten ist die Reinigung von Ausrüstung mit Daunenfüllung. Immer nur ein Produkt einmal in die Waschmaschine. Dann eigentlich zwei Durchgänge (einer noch ohne Waschmittel für das Ausspülen). Dann beginnt das tagelange Trocknen, wo das gute Stück regelmäßig durchgeschüttelt werden will. Zum einen, um wieder die volle Bauschkraft zu entfalten, und zum anderen, damit es nicht zu müffeln anfängt. Eigentlich soll es mit Tennisbällen in den Trockner (ich habe weder Tennisbälle noch einen Trockner), damit wir neben übertriebenen Wasserressourcen auch noch ordentlich Energie verpfeffern.

Nicht zuletzt mag es für manch einen auch eine ethische Frage sein, ob man tierische Produkte verwenden möchte, wenn es gute Alternativen gibt.

Statt Daunenfüllung besser Kunstfaser

Natürlich hat Kunstfaserisolation eine Reihe Nachteile. Das höhere Gewicht und Packvolumen, die mit den Jahren nachlassende Bauschkraft, der geringere Tragekomfort, und der Schweiß kommt nicht ganz so gut durch wie bei der Daune. Außerdem regnet es natürlich keine Kunstfasern vom Himmel und die Herstellung frisst Ressourcen. Aber wenigstens haben die Hersteller mittlerweile gute Recyclingverfahren und die Kunstdaune wird von der Leistungsfähigkeit immer besser. Sie isoliert auch nass, trocknet fix, lässt sich unkompliziert im Schonwaschgang reinigen und hier muss nix aufgeschüttelt werden.

Ach ja, es gibt seit einiger Zeit den Trend der Hersteller, Daunen zu imprägnieren. Für mich ein wenig überzeugendes Konzept, denn dann kriegen sie den Nachteil von Synthetikfüllung hinsichtlich Schwitzigkeit – kann man auch gleich die Kunstfaser nehmen – und die Imprägnierung muss immer wieder erneuert werden. Da wird der Reinigungs- und Pflegemarathon noch aufwändiger.

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