Betrifft: “Funktionskleidung” ohne UV-Schutz

Strahlende Sonne an leicht bewölktem Himmel
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Gerade treibt mich das Thema UV-Schutz bei Textilien sehr um. Denn Nachlässigkeit seitens der Hersteller macht sich wortwörtlich spürbar bemerkbar. Aua!

Bis letzten Sommer habe ich mich damit kaum beschäftigt, dass ein Großteil der als “Funktionskleidung” beworbenen Kleidungsstücke keinen ausgewiesenen UV-Schutz hat. Ich war naiverweise davon ausgegangen, dass Kleidung, die (angeblich) für exponierte Aktivitäten im Freien hergestellt wurde, vor Sonneneinstrahlung schützt. Doch dann habe ich nach einer ca. einstündigen Fahrradfahrt im prallen Sonnenschein mit einem “Funktionsshirt” abends einen zünftigen Sonnenbrand am Rücken bekommen. Seither ist das Thema ziemlich auf meinem Radar!

Geringe Eigenschutzzeit der Haut

Zunächst bietet jedes Textil, egal aus welchem Material, einen gewissen Schutz vor UV-Strahlen – je dichter gewebt, desto mehr. Auch das Material spielt eine große Rolle, Naturgarne filtern grundsätzlich weniger UV-Strahlung als künstliche Garne. Beim Kauf muss man aber darauf achten, dass auch wirklich ein Ultraviolet Protection Factor (UPF) ausgewiesen wird, indem das Textil einer entsprechenden Überprüfung unterzogen wurde.

Der UPF verlängert die Eigenschutzzeit der Haut, multipliziert also die Zeit um den angegebenen Faktor, die man an einem Tag UV-Strahlung ausgesetzt sein kann, ohne dass die Haut davon Schaden nimmt und Sonnenbrand, Pigmentierungen etc. bekommt. Hinlänglich bekannt, dass Hautschädigungen das Hautkrebsrisiko erhöhen – ziemlich wichtig also, selbige zu vermeiden.

Wie lange die Eigenschutzzeit der Haut ist und wie schnell und wie heftig es zu einem Sonnenbrand kommt, hängt vor allem vom Hauttyp ab. Dunkelhäutige Menschen haben etwa 45 Minuten Eigenschutzzeit, bei blasser Haut liegt diese bei unter zehn (!) Minuten. Wichtig ist außerdem: Nicht nur die Dauer, sondern auch die Intensität der Strahlung spielt eine Rolle. Je höher über dem Meeresspiegel und je näher am Äquator man ist, desto mehr nimmt die Intensität der UV-Strahlung zu, so dass die Eigenschutzzeit hier noch kürzer ist.

Kurzum: Im Gebirge, wo du zum einen nicht direkt beeinflussen kannst wie lang du der Sonne ausgesetzt bist und wo zum anderen die Intensität der UV-Strahlung besonders intensiv ist, solltest du egal bei welchem Hauttyp möglichst Kleidung mit UPF 50+ dabei haben, die den Eigenschutz der Haut entsprechend um das mindestens 50-fache erhöht.

Herstellerseitige Nachlässigkeiten beim UV-Schutz

Nach meinem Sonnenbrand habe ich meine Klamotten durchgesehen und in den Katalogen der Hersteller nachrecherchiert. Da musste ich feststellen, dass Hersteller selbst bei Sonnenmützen (!!!) und Badehosen nicht mal annähernd konsequent auf UV-Schutz setzen.

Ich habe entsprechende Teile aussortiert und dann beim Nachkaufen natürlich sehr auf den UPF geschaut. Doch auch das allein reicht noch nicht. Da wurden dann im Onlineshop die Teile fälschlicherweise als UV-schützend angepriesen. Ein und dasselbe Badehosenmodell von Hugo Boss beispielsweise gibt es nämlich sowohl mit als auch ohne UV-Schutz-Nachweis, da hängt dann entsprechend noch ein Zettel mit dran oder eben nicht. Kein Wunder, dass das im Onlineshop nicht ordentlich hinterlegt ist, wer soll da noch durchblicken.

Und dann der umgekehrte Fall: Beispielsweise das ausgezeichnete G-1000-Material von Fjällräven hat einen sehr guten UV-Schutz. Da hatte ich Mützen bestellt, wo sich trotz mehrerer angehängter Zettel gar kein Hinweis auf diese Eigenschaft befand – das kann man dann also nur wissen, wenn man das Material schon kennt. Liebe Hersteller, wenn eure Produkte schon gute Eigenschaften haben, dann benennt die doch.

Transparenz wäre ohne weiteres möglich. Schade, dass derzeit kaum ein Hersteller auf den offiziellen UV-Standard 801 zu setzen scheint. Der hat ein offizielles Label, was fest eingenäht oder an der Innenseite der Kleidung aufgedruckt wird. Das Zertifizieren kostet aber natürlich und ich mutmaße, hier will man sich das sparen, weil es nicht verpflichtend ist.

Man muss sich also recht intensiv beim Kauf damit auseinander setzen, ob das Textil jetzt möglicherweise einen guten UV-Schutz bietet. Das nervt! An den mündigen Konsumenten kann man nur appellieren: Wenn kein UV-Schutz ausgewiesen wird, kauf das Zeug nicht. Vielleicht trägt das dann zu höherer Sorgfalt bei den Herstellern bei. Vor allem aber: Deine Haut wird es dir danken.

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