Dein Abenteuer ist nicht mein Abenteuer – Blogparade

Schlechtes Wetter am Berg
© gipfelwelt.net

Florian vom Reiseblog flocutus.de hat seine erste Blogparade gestartet – für mich Anlass genug, zum ersten Mal an einer Blogparade teilzunehmen: Was ist eigentlich ein Abenteuer?

Zunächst kommt mir da eine negative Assoziation: Eine gut vorbereitete Tour, das Wetter passt auch, es geht los. Doch dann laufen die Dinge nicht wie geplant, man gerät in zeitlichen Verzug, an der Ausrüstung geht was kaputt, jemand macht schlapp, und dann auch noch ein Gewitter! Die Tour wird zum Abenteuer: Wie kommen wir trotz allem heil in der Hütte an?

Das Negativbeispiel bestätigt Florians vier Thesen: Ein Abenteuer hängt von Erfahrung ab – hier laufen die Sachen nicht wie erwartet, es kommt ständig was dazwischen. Ein Abenteuer ist subjektiv. Vielleicht sieht das ein Teilnehmer der Gruppe alles eher easy, ein anderer wird nervös, sicher auch in Abhängigkeit des jeweiligen Berg-Erfahrungs-Grades. Ein Abenteuer muss man sich verdienen. Das gilt natürlich immer beim Wandern, denn wär man nicht losgezogen, wär man nicht in den Schlamassel geraten. Ein Abenteuer ist überraschend – läuft alles wie geplant und erwartet, wars eine ganz normale Tour.

Verschwimmende Grenzen

Und hier verschwimmen jetzt die Grenzen zwischen positiv und negativ erfahrenem Abenteuer. Alles wie erwartet? Das ist nicht wirklich die Hoffnung, wenn ich mich zu einer Bergtour aufmache. Der Reiz liegt vielmehr oft darin, dass ich gar keine richtige Erwartung habe. Sondern ich möchte mich einfach auf die Natur einlassen, was immer sie auch bringt.

Das ist zweischneidig. Der routinierte Wanderer wird gelangweilt sein, wenn er keiner besonderen Dramatik, einmaligen und abwechslungsreichen landschaftlichen Schönheit, körperlichen Herausforderung begegnen wird. Ein kleiner Kick, das muss schon sein. Höher, schneller, weiter, auf jeden Fall anders als auch schon. Und darin liegt dann immer auch eine Gefahr, gegen die man sich natürlich möglichst gut wappnen sollte. Mit vernünftiger Selbsteinschätzung, Vorbereitung und Ausrüstung. Ich muss also maßvoll an die Sache rangehen: Was kann und sollte ich mir zumuten, wo wird es zu viel, zu riskant?

Die Erfahrung ist für mich daher das Kapital für ein Bergabenteuer. Passt die Tour zu meinem Erfahrungsstand, dann kann ich mich ins Abenteuer stürzen – und liegt es nur darin, dass ich dank meiner Erfahrung einige Herausforderungen gemeistert habe und gesund in der Hütte angekommen bin. Das Überraschende wird das sein, was in der Erinnerung bleibt. Und das kann auch das sein, was ich im ersten Moment als etwas Negatives eingeschätzt hätte – oder was ich glaubte schon zu kennen.

Ich möchte zum Schluss eine fünfte These ergänzen: Abenteuer ist die Intensität eines Erlebnisses. Sie muss nichts mit der tatsächlichen Qualität von etwas zu tun haben (und das gilt sicherlich für schöne wie für schreckliche Abenteuer gleichermaßen). Einen exzellenten Kaffee in Berlin-Mitte trinken: für mich als Berliner ist das nichts Besonderes. Einen Kaffee im Zeltlager in den Anden trinken, gerade auf dem Kocher selbst gebraut: Er schmeckt deutlich laffer als der aus der Berliner Barmaschine. Aber er ist für mich unvergesslich.

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4 Comments on “Dein Abenteuer ist nicht mein Abenteuer – Blogparade”

  1. Das mit dem positiven und negativen Erleben ist ein sehr guter Punkt. Selbst wenn alles schiefgeht, ist es immer noch ein Abenteuer und eine Geschichte. Andreas Altmann hat mal gesagt, dass sich der innere Schreiberling über jedes Mißgeschick freut.

    Auch das mit der Intensität sehe ich ein. Das beste, kühlste; leckerste Wasser, dass ich je getrunken habe stammte aus einer Kuhtränke nach dem Jubiläumsgrat!

    Danke für’s Mitmachen bei der Blogparade.

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