Was mich an den Webseiten von Outdoorherstellern nervt

Sie übertrumpfen sich gegenseitig mit Innovations- und Technologiegewäsch, und kriegen bei Produktbeschreibungen manchmal nicht mal die grundlegenden Angaben hin. Eine Polemik über Hersteller-Webseiten.

Es ist wieder mal so weit, neue Saison, neues Sortiment: Voll Vorfreude geht man auf die Homepages der Hersteller, um sich davon überzeugen zu lassen, für welche Neuerungen man wieder mal sein Geld ausgeben könnte.

Bei manch einem Hersteller wird es jetzt schon schwierig. Wo versteckt sich zwischen Flash-Animationen, überdimensionierten Bergfotos und technisch anmutenden Zeichnungen (die eigentlich nur darstellen, dass ein Funktionstextil Wasser von außen abhält und von innen abgibt) überhaupt das aktuelle Sortiment?

Und die Dampfplaudersprache schöpft wieder aus den Vollen: Tech, Pro, Active, Ultra, Adventure, Expedition. Immer häufiger ist auch von Lifestyle die Rede für das urbane Publikum. Es fliegen einem die Schlagworte um die Ohren. Manch einer stellt Kleidung nicht her, sondern sie wird “engineered”. Aha.

Hat  man den Weg zum Katalog gefunden, wurde der einem umfassenden Redesign unterzogen. Zwischen den Social Network-Buttons, Twitter- und Pinterest-Einblendungen findet sich mit etwas Glück sogar die Möglichkeit, Produkte nach Kategorie anzuzeigen. Altvertraute Modelle wurden natürlich vom Markt genommen oder krampfhaft auf jung und Abenteuer umbenannt.

Und dann der Knaller: Zur super neuen, selbstverständlich hoch innovativen und ultraleichten sowie hoch atmungsaktiven Jacke gibt es keine Gewichtsangabe. Und was für eine Wassersäule und Dampfdurchlässigkeit sich tatsächlich dahinter verbirgt, ist nur durch aufwändige Recherche herauszufinden. Was für eine Chemie steckt in dem Material mit der klangvollen Technologie, ist es eine Beschichtung oder Membran, zweilagig, dreilagig, was für ein Obermaterial? Offensichtlich Nebensache.

Hat man schließlich trotz allem eine Auswahl treffen können, ist für manch einen Hersteller die Anbindung an einen Onlineshop anscheinend ein völlig unbekanntes Phänomen. Man kann jetzt nochmal mit Recherche loslegen, wo man das Wunderwerk denn überhaupt erwerben könnte.

Doch nicht zu früh gefreut. Denn Usus ist, dass oftmals nur minimalste Mengen produziert werden, die dann direkt nach Erscheinen in der gewünschten Größe und Farbe vergriffen sind. Exklusivität durch künstliche Verknappung und Innovationsdruck zum nächsten Saisonstart sind offensichtlich die Gebote der Stunde.

Gibts hier auch Infos?

Infos zur Jacke, die man vielleicht in einem Outoorladen noch aus einer vergangenen Saison als Schnäppchen abgreifen konnte, findet man in der Regel gleich gar nicht mehr auf den schicken Webseiten.

Natürlich dürfte auf keinen Hersteller all das zutreffen, was ich hier (überspitzt) polemisiere. Aber ich kenne auch keinen, auf den  nichts davon zutreffen würde. Statt ihre Webseiten unübersichtlich mit Wischi-Waschi vollzukleistern, wäre es also wünschenswert, wenn Markenhersteller hier die gleichen Maßstäbe anlegen würden wie an ihre Kleidung: Hoch funktional, von überflüssigem Ballast befreit, beständig. Und jede Saison ein bisschen besser.