Berliner Höhenweg

 Auf dem Weg zur Berliner Hütte, den Großen Möseler mit Waxeggkees im Blick.
Auf dem Weg zur Berliner Hütte, den Großen Möseler mit Waxeggkees im Blick. © gipfelwelt.net

In den Zillertaler Alpen betreibt die Berliner Sektion des Deutschen Alpenvereins einige Hütten. Dies ist namensgebend für den imposanten, anspruchsvollen etwa achttägigen Berliner Höhenweg. Wir gingen ihn im Uhrzeigersinn.

Die Neugier auf den Berliner Höhenweg wurde geweckt durch die Tourenbeschreibung im Hüttentrekking Bd.1: Ostalpen, hier in der offiziellen Richtung gegen den Uhrzeigersinn.

Als Karte hatte ich die Freytag Berndt WK 152 dabei, die mit 1:50.000 einen recht hohen Maßstab hat, dafür findet die gesamte Runde darauf Platz.

Der Berliner Höhenweg ist konditionell sehr fordernd, zwei Etappen sind recht lang. Außerdem müssen mehrere Klettersteige überwunden werden, die zwar bei guten Wetterbedingungen keine Sicherung erforderlich machen, aber Trittsicherheit und Schwindelfreiheit verlangen. Auf der ganzen Runde ist mehrfach der Einsatz der Hände für Klettereien erforderlich. Für Anfänger ist die vollständige Runde also nicht zu empfehlen.

Von Vorteil ist, dass man von jeder Hütte ins Tal absteigen und somit die Runde beliebig kürzer gestalten kann. Einheimische nutzen das offensichtlich gern für kürzere Trips, so dass die meisten Hütten abends recht voll waren, obwohl nur eine Handvoll Leute gleichzeitig mit uns die ganze Runde absolvierten.

Die Runde im Uhrzeigersinn zu gehen, hat den Vorteil, dass einige schwierige Passagen im Aufstieg überwunden werden können. Außerdem liegt dann die kräftezehrende Etappe zwischen Karl-von-Edel-Hütte und Kasseler Hütte am Anfang der Tour, wenn man noch fitter ist.

 Tag 1: Ahornbahn-Bergstation – Karl-von-Edel-Hütte (1,5 h)

Prima! Den selten spannenden Aufstieg aus dem Tal konnten wir uns dank der Ahornbahn in Mayrhofen sparen. Von der Bergstation gemütliche Wanderung zur ersten Hütte.

Tag 2: Karl-von-Edel-Hütte – Kasseler Hütte (10 h)

Berliner Höhenweg, Zillertaler Alpen
Über sieben Scharten musst du gehn … © gipfelwelt.net

Heute gings dafür gleich richtig zur Sache. Drei Klettersteige und sieben Scharten mussten überwunden werden. Bei meiner noch nicht so bergerfahrenen Begleitung war abends das Kräftelimit ziemlich erreicht. Wir fanden das Ganze auch etwas eintönig, da die sechs Kare, die durchschritten werden, dann doch recht ähnlich sind und es halt kein Ende nimmt. Einiger Schnee erschwerte das Ganze noch zusätzlich etwas.

Die Qualen wurden belohnt durch eine urige, charmante Hütte, in der wir direkt ein warmes Essen, eine heiße Dusche und sogar ein Zweierlager bekamen, sowie ein leckeres Frühstücksbuffet am nächsten Morgen.

Wenn man die Runde aufteilen möchte, kann man im nagelneuen und idyllisch gelegenen Notbiwak auf der Madereggl Alm – nach etwa sieben Stunden – nächtigen. Abstiegsmöglichkeiten unterwegs gibt es keine. Eine weniger anstrengende Variante wäre der Aufstieg von Mayrhofen über Stillupp-Stausee und Grüne Wand-Hütte zur Kasseler Hütte.

Tag 3: Kasseler Hütte – Greizer Hütte (6 h)

Unschwerer Übergang über die Lappenscharte (2701 m) mit kurzem Klettersteig.

Tag 4: Greizer Hütte – Berliner Hütte (5,5 h)

Heute musste ich mich zunächst von meiner Begleitung verabschieden, da hier dringend eine Pause zum Krafttanken nötig war. Wir verabredeten uns für zwei Tage später am Schlegeissee.

Für mich wurde es wieder ziemlich anstrengend, da es nach einem kurzen Abstieg zum Floitengrund erst etwa 1.000 Höhenmeter am Stück bergauf zur Mönchenscharte (2872 m) ging und anschließend etwa 800 Höhenmeter am Stück runter. Vorbei am Schwarzsee befand ich mich dann plötzlich in schönster Heidelandschaft, die die Berliner Hütte umsäumt. Die Berliner Hütte wiederum entschädigt mit ihrem Jahrhundertwende-Charme und dem wunderschönen Speisesaal inkl. Terrasse mit Blick auf den Waxegg-Gletscher für alle Mühen. Obwohl ich nicht reserviert hatte, konnte ich sogar noch ein Einzellager bekommen – eine absolute Seltenheit im Hochgebirge.

Tag 5: Berliner Hütte – Schönbichler Horn – Furtschaglhaus (5,5 h)

Schönbichler Horn, Zillertaler Alpen
Steiler Klettersteig am Schönbichler Horn. © gipfelwelt.net

Mit der Überquerung eines 3.000ers ist dies sicherlich das Filetstück der ganzen Tour. Auch diese Etappe ist sehr anstrengend. Es warteten

knapp 1.200 m Aufstieg zum Schönbichler Horn (3134 m), das letzte Stück ging es eine Stunde lang gefühlt senkrecht am schwersten Klettersteig der Tour zum Gipfel hinauf. Das konstant gute Wetter hatte spätestens heute zahlreiche Wanderer angezogen, so dass am Steig viel Gegenverkehr und auf dem Gipfel etwas Gedränge herrschte.

Sodann 930 Höhenmeter hinab zum Furtschaglhaus. Überrascht wurde ich auf der Hütte von meiner Begleitung, die den Aufstieg vom Schlegeissee auf sich genommen hatte, um mich etwas früher wieder zu treffen.

Tag 6: Furtschaglhaus – Schlegeissee – Olperer Hütte (4 h)

Die Entspannungsetappe. Abstieg zum Schlegeis-Stausee mit beeindruckender Staumauer und Spaziergang am Ufer entlang. Zweistündiger Aufstieg zur Olpererhütte, ggf. in zwei weiteren Stunden Übergang zum Friesenberghaus.

Die Olpererhütte wurde 2007 neu gebaut, da eine Renovierung der alten Hütte nicht mehr möglich war. Der Neubau besticht in minimalistisch-futuristischem Design und mit Panoramafenster im Speisesaal. Wir wollten eigentlich weiter, aber diesen Genuss haben wir uns dann doch nicht nehmen lassen und uns hier einquartiert.

Tag 7: Olpererhütte – Friesenberghaus – Ginzling (6 h)

Eigentlich ist diese Etappe nochmals ein mindestens zehnstündiger Gewaltmarsch (bzw acht vom Friesenberghaus) zur Gamshütte, wenngleich nicht so anstrengend wie Tag 2 dank weniger Kletterei und keiner Scharten. Offiziell dann nach einer weiteren Nacht Abstieg nach Ginzling von der Gamshütte. Es gibt aber auf dieser Etappe mehrere Abstiegsmöglichkeiten, von denen wir eine nutzten und nach dem ordentlich in die Knie gehenden steilen Abstieg auch nach nicht ganz vervollständigter Runde erfüllt und zufrieden mit dem Bus über Ginzling nach Mayrhofen zurückfuhren.

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