Funktionsmaterial: Wie viel davon braucht der Mensch?

Es nahm schleichend seinen Lauf. Nach und nach habe ich immer mehr Kleidungsstücke durch ‘Funktionsmaterial’ ersetzt und teilweise auch die Funktionsmaterialien durch andere, (vermeintlich) bessere.

Auf meiner ersten Tour nach vielen Jahren Trekkingpause war ich noch losgezogen mit schwerer Baumwollhose, undichter Jacke (den Begriff ‘Hardshell’ kannte ich da noch gar nicht) und einem übervollen, viel zu schweren Rucksack. Bin ich ans Ziel gekommen? Ja sicher. Aber angenehm und praktisch ist anders. Wer seine Kräfte also lieber für die Bewältigung der Wanderpfade verwenden möchte, sollte sich ein wenig mit der Welt der ‘Funktionsmaterialien’ auseinander setzen.

Baumwolle ist billig, aber hat zahlreiche Nachteile

Denn der Kleidungsmarkt wird von Baumwolle dominiert. Sie ist billig in der Herstellung und lässt sich gut verarbeiten. Doch Baumwolle hat Nachteile, die sich bei  Aktivität besonders bemerkbar machen: Sie ist schwer. Sie ist nicht sonderlich robust und verliert leicht ihre Form. Sie isoliert und wärmt kaum. Sie saugt Nässe und Schweiß auf wie ein Schwamm. Dann ist sie noch viel schwerer. Einmal nass, ist sie auf einer Tour kaum jemals wieder trocken zu kriegen – mal abgesehen davon, dass sie unangenehmst vor sich hin müffelt. Auswaschen geht auch nicht. Schon unter normalen Bedingungen braucht ein von Hand gewaschenes Kleidungsstück Tage um zu trocknen. Das klamme Bergklima tut sein Übriges.

Wichtig: Schutz vor Nässe

Der Wandersmann, die Wandersfrau sollte sich also zwei Fragen stellen: Wo muss ich besonders vor Nässe von außen geschützt sein? Wo besonders vor Nässe von innen, also Schweiß und Kondensbildung auf der Haut? Ersteres ist bei jedem Menschen wohl gleich, die regen- und schneeanfälligen Bereiche des Körpers sind Kopf, Schultern, Nacken, Oberschenkel. Zweiteres hängt von der individuellen Schweißbildung ab. Am unteren Rücken (vor allem mit Rucksack) bildet sich beim Wandern besonders schnell Schweiß.

Sodann ist Gewichtsreduktion ein Thema, denn schließlich trägt man das alles über weite Strecken auf dem Rücken. Schwere Kleidungsstücke – also besonders solche, die der Isolation dienen – müssen daher zweifelsohne besondere Materialien haben, wenn man sich nicht tot schleppen will.

Sich aber von Kopf bis Fuß in irgendwelches Spezialzeugs zu hüllen und dafür ein Jahresgehalt auszugeben, dürfte aber kaum erforderlich sein. Mit den Kriterien der Nässeanfälligkeit und Gewichtsreduktion gilt es abzuwägen – und Erfahrungen zu sammeln -, wo das sinnvoll und richtig ist.

Nun gibt es freilich eine schier unübersichtliche Bandbreite an Materialien von Vollplastik bis Merinowolle, die als Outdoor, winddicht-wasserdicht-atmungsaktiv, etc pp gelabelt wird. Von Lidl bis Kjus ist auch die Preisspanne enorm.

Also worauf kommt es an, wie erkenne ich Outdoor-Kleidung, die dieses Label auch verdient? In einer losen Serie werde ich gelegentlich zu den verschiedenen Materialien und aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich bloggen.

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